Behörde als Pornoshop

Montag, 17.11.2014 PK

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hält diejenigen Pornofilme unter Verschluss, die auf dem Index stehen. Dafür ist sie da. Doch nach einem Gerichtsurteil muss die Behörde nun bestimmte Filme an Sammler herausgeben.

Kennen Sie den Film „Carl Ludwig, 2. Teil – Carl Ludwigs heiße Träume“ aus dem Jahr 1983? Falls nicht, ist es nicht schlimm. Denn wenn es sich dabei tatsächlich um eine Anspielung auf den deutschen Physiologen Carl Ludwig handelt, der im Jahre 1846 Professor für vergleichende Anatomie wurde, kann sich jeder vorstellen, um was es in dem Film geht. Und klar ist wohl: Um die Kostümierung geht es nicht!

Kunstliebhaber unter sich

Jedenfalls gibt es den Schmuddelstreifen längst nicht mehr im Handel. Was einen Sammler solcher „Kunstwerke“ offenbar ärgerte: Jedenfalls verlangte er von der Bundesprüfstelle die Herausgabe einer Kopie des Films. Doch es kam, wie es kommen musste, und Sie haben es bestimmt schon erraten: Die Befriedigung (seines Wunsches!) wurde dem Mann verweigert. 

Gericht entscheidet für den Sammler

Noch. Denn der hartnäckige Anatomie-Fan klagte kurzerhand gegen das staatliche Archiv. Und bekam Recht! Das Verwaltungsgericht Köln sah in der Weigerung der Prüfstelle einen Verstoß gegen das Informationsfreiheitsgesetz. Und „da er nicht den Eindruck erwecke, als wolle er den Film an Minderjährige weitergeben“, so weiter in dem Urteil, „komme auch das Jugendschutzgesetz nicht zum Tragen“. Auch das Urheberrecht sahen die Richter nicht verletzt, da der Kläger den Streifen nur für den privaten Gebrauch nutzen möchte. Will heißen: Der Mann bekommt nun seine eingestaubte VHS-Kassette.

Schmuddelstreifen 25 Jahre unter Verschluss

Übrigens muss ein Film immer mindestens 25 Jahre ins Archiv. Erst danach wird erneut geprüft, ob er weiterhin vor der Öffentlichkeit bewahrt bleiben muss.

Vorerst allerdings muss sich der sicher schon ungeduldige Carl-Ludwig-Fan mit anderen Exponaten aus seiner umfangreichen Sammlung begnügen. Denn die Prüfstelle hat Berufung eingelegt. Es werden also noch einige Monate ins Land gehen, bis der Sammler das begehrte Video in vollen Zügen genießen kann. Was soll’s: Vorfreude ist eben doch die schönste Freude.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

VG Köln, 22.09.2014 - 13 K 4674/13

Rosa Handschellen

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