Arbeitnehmerin bekam Kündigung, weil sie einen Rechtsanwalt um Rat fragte…

Sonntag, 07.06.2015 BJ

Weil einer Frau - trotz vorheriger Absprache - von ihrem Arbeitgeber plötzlich der vereinbarte Urlaub nicht mehr gewährt wurde, ging sie zu einem Rechtsanwalt und ließ sich beraten. Das fand ihr Chef überhaupt nicht gut und kündigte ihr prompt…

Schon bei dem Bewerbungsgespräch hatte die Frau daraufhin gewiesen, dass sie während ihrer Probezeit schon einen Urlaub gebucht habe und dass ihr - falls sie den Job bekommen würde - in diesem Zeitraum dann auch Urlaub gewährt werden müsste. Da dies anscheinend kein Problem darstellte, lief alles nach Wunsch, die Frau bekam den Arbeitsplatz, und die freien Tage wurden verbindlich im Urlaubskalender vermerkt und genehmigt.

Personalvertreter macht Druck

Doch als die Frau ihren dreiwöchigen Urlaub antreten wollte, erklärte ihr der Personalvertreter, dass daraus doch nichts werde und stellte sie vor die Wahl: Entweder würde sie auf den Urlaub verzichten, oder sie müsse das Unternehmen verlassen. Es kam zum Streit, und die Frau ging zu einem Anwalt, der sich mit dem Arbeitgeber in Verbindung setzte. Darauf folgte umgehend die Kündigung. Die Begründung des Unternehmens: "Dass sich die Angestellte einen Rechtsanwalt nehmen würde, empfinde die Firma als äußerst irritierend“…

Ein Anwalt? Sehr irritierend …

Die Frau klagte. Vor Gericht rechtfertigte sich das Unternehmen damit, dass die Vorgehensweise der Angestellten absolut unangemessen und im Hause weder gewünscht noch üblich sei. Einen Juristen aufzusuchen und einzuschalten sei eine Zumutung, und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit deshalb nicht mehr möglich gewesen.  

Anwälte sind nichts „Schlechtes“!

Das Gericht, das sich - welch Überraschung - hauptsächlich aus Juristen zusammensetzte, fand die Handlung der Frau, einen Anwalt zu konsultieren, jedoch keineswegs „irritierend“. Auch konnte es nicht nachvollziehen, warum das Vertrauen zerstört worden sei, schließlich sei es doch der Arbeitgeber selbst gewesen, der sich nicht an die Absprache gehalten habe. Das Einzige, was die Richter auch irritierend und absolut unangemessen fanden, war die Kündigung selbst, was sie dann auch sehr klar zum Ausdruck brachten. Der Arbeitgeber musste das dann auch wohl oder übel akzeptieren, und die Frau verließ als glückliche Siegerin zusammen mit ihrem Rechtsanwalt den Gerichtssaal.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Arbeitsgericht Dortmund Urt. v. 12.02.2014 Az. 9 Ca 5518/13

§§ 611 ff. BGB

Anwalt, Cartoon

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