Wer beleidigt Erdogan am besten? Der britische Aufruf zu einer Straftat

Samstag, 23.04.2016 PK

Der Fall Böhmermann, der vielleicht aufgrund des überholten „Majestätsbeleidigungsparagraphen“ angeklagt wird, zieht mittlerweile international Kreise. Eine besonders originelle Idee ist jetzt den Machern der englischen Wochenzeitung „The Spectator“ gekommen: Sie veranstalten einen Leserwettbewerb, wer mit einem Gedicht den türkischen Staatspräsidenten am gemeinsten beleidigen kann…

Und der Gewinner erhält 1000 Pfund in bar (etwa 1260 Euro)! Doch wer jetzt glaubt, nur hochtrabend politische Verse kämen in die Endausscheidung, irrt. Denn den „Spectator“-Machern kommt es in erster Linie auf den beleidigenden Charakter der Gedichte an. Gern gesehen sind deshalb Reime über Präsident Erdogans vermeintlich etwas zu kurz gekommene Männlichkeit oder seine angebliche Zuneigung zu gehörnten Paarhufern. Hauptsache, das Gedicht (möglichst in Limerick-Form) kommt angemessen widerwärtig rüber. Würde eine deutsche Zeitung diesen Wettbewerb initiieren, fände sich vermutlich sofort jemand, der im vorauseilenden Gehorsam Strafanzeige stellt. Immerhin ist das ja - wie wir alle seit neuestem wissen - die Anstiftung zu einer Straftat.

Für Böhmermann sieht es eng aus

Dabei genießt die britische Presse keineswegs mehr Freiheiten als unsere. Sie ist nur viel aufmüpfiger. Und ganz offensichtlich kommt es den Veranstaltern des kuriosen Wettbewerbs gerade darauf an, einen Rechtsstreit zu provozieren, so wie er sich zurzeit in Deutschland gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann abzeichnet. Der wird übrigens, so es denn zur Anklage wegen seines Schmähgedichtes kommt, nicht mehr davon profitieren können, dass der Paragraph 103 des Strafgesetzbuches, der sogenannte „Majestätsbeleidigungsparagraph“, im Jahr 2018 abgeschafft werden soll.

Machen wir uns jetzt auch strafbar?

Wünschen wir ihm, dass es trotzdem nicht zu einer Verurteilung kommt! Und wünschen wir uns, dass die Schmähgedichte der „Spectator“-Leser nicht ganz so tollpatschig daherkommen wie das von Jan Böhmermann. Kürzer werden sie auf jeden Fall sein, denn ein Limerick hat ja bekanntlich nur fünf Zeilen. Wir wollen uns zwar nicht an dem Wettbewerb beteiligen – aber die Idee hat uns doch zu sehr gereizt, um es nicht wenigstens einmal zu versuchen:

Es war ein Despot namens Erd...äh, Thymian,

mit einem, wie’s heißt, zu kleinen Hahn,

dass sogar Ziegen lachen,

wenn er will Liebe machen,

und im Harem gilt er als lendenlahm.

Na bitte, geht doch!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§§ 103 und 185 StGB

Chantal

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