Auf der Karnevalsfeier durchgedreht – schon ist der Job weg!

Freitag, 22.01.2016 PK

Die feuchtfröhliche Feier im Betrieb kann böse nach hinten losgehen, wenn sich ein Kollege nicht zu benehmen weiß. So erging es einem  Versicherungsangestellten, der ausrastete, als ihm ein paar übermotivierte Kolleginnen partout die Krawatte abschneiden wollten…

Der Mann kam als Gangsterboss „Al Capone“ verkleidet auf die Betriebsfeier. Und wie zumindest während der sogenannten Weiberfastnacht (in diesem Jahr am 4. Februar) üblich, planten die Kolleginnen die bekannte rituelle Beschneidung. „Al Capone“ fand das allerdings nicht im mindesten komisch: Er bestand auf Unversehrtheit seines Halsschmuckes. Eigentlich kein Wunder, dass er damit den Unmut der angeschickerten Frauentruppe auf sich zog, die ihm immer wieder mit gezückten Scheren nachstellten.

Der Clown hat den ganzen Frust abgekriegt

Als er schließlich auch noch von einem Clown bedrängt wurde, verlor „Al Capone“ vollends die Nerven und stieß seinem Gegenüber ein Bierglas ins Gesicht. Dem Kollegen im Clownskostüm mussten zahlreiche Glassplitter aus der Stirn herausoperiert werden. Und weil zu allem Überfluss auch noch eine Überwachungskamera in den Betriebsräumen lief, wurde der ganze Vorfall aufgezeichnet. Der verkleidete Gangsterboss, der seinem echten Vorbild in Sachen Schlagfertigkeit ins nichts nachstand, erhielt daraufhin die fristlose Kündigung.

Eigentlich keine schlechten Argumente...

Nun, wenn jemandem die Existenzgrundlage entzogen wird, hat er keine andere Wahl, als dagegen zu klagen. Tatsächlich trug der 48-Jährige bei Gericht gar keine so abwegigen Argumente vor: Erstens leide er seit einer Operation unter einer latenten Angststörung, die durch die mit Scheren bewaffneten Närrinnen plötzlich wieder ausgebrochen sei. Deshalb sei er schuldunfähig. Zweitens: Der fristlose Rauswurf bedeute für ihn das wirtschaftliche Todesurteil – immerhin hätte e sich ja in 28 Jahren Betriebszugehörigkeit nicht zuschulden kommen lassen.

... nur genützt haben sie nichts

Die Richter mussten sich also mit der Auswertung der Kameraaufzeichnung beschäftigen. Stundenlang, um das Verhalten des Klägers zu analysieren. Das Ergebnis ist für „Al Capone“ ziemlich ernüchternd: Die fristlose Kündigung ist rechtmäßig. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf bestätigte vor einigen Tagen die fristlose Kündigung des schwerbehinderten Mannes und wies seine Berufung zurück.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

LAG  Düsseldorf, Urteil vom 22.12.2015 – 13 Sa 957/15

Al Capone Grafik

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