Schuldig oder nicht – alles eine Frage des Geldes

Donnerstag, 25.02.2016 PK

Wir haben uns hier ja schon öfter über die merkwürdigen Urteile der US-Justiz gewundert. Doch dieser Fall schlägt wirklich dem Fass den Boden aus...

Ethan Couch, Sohn reicher Eltern aus Texas / USA, rast mit über 110 km/h durch eine 60er-Zone. Im Blut hat er 2,4 Promille Alkohol. Und es kommt, wie es kommen muss: Der erst 16-Jährige, der selbstverständlich noch keinen Führerschein hat, fährt mit dem Pick-up-Truck seines Vaters vier Menschen tot, zwei weitere überleben zwar, sind aber schwer verletzt, einer davon ist seitdem vom Kopf ab gelähmt, kann sich nur noch durch Blinzeln mit der Umwelt verständigen. Die Staatsanwaltschaft folgt darauf dem Motto des US-Bundesstaates. „Leg dich nicht mit Texas an.“ Wegen vierfachen Totschlags und schwerer Körperverletzung fordert die Anklage 20 Jahre Gefängnis.

Extra eine neue Krankheit erfunden

Aber soweit kommt es nicht, weil ein psychologischer Gutachter dem Todesfahrer eine Wohlstandskrankheit bescheinigt: die sogenannte „Affluenza“, für die es allerdings gar keine konkrete medizinische Definition gibt. Gemeint ist damit ein übersteigertes Konsumverhalten aus reiner Geltungssucht. Aus Sicht des Psychologen ein Grund, die Schuld für den tödlichen Unfall nicht bei dem Jungen, sondern bei dessen Eltern zu suchen, die ihn zu sehr verwöhnt haben.

... und die scheint unheilbar zu sein

Selbst juristische Laien bekommen jetzt Schnappatmung. Zumal das Gericht dem Psycho-Doc tatsächlich auf den Leim gegangen ist: Zehn Jahre auf Bewährung lautet das Urteil – dazu ein Aufenthalt in einer Rehaklinik, um den armen reichen Jungen von seinem unerträglichen Leiden zu kurieren. Das alles hat sich vor zwei Jahren zugetragen. Die Hoffnung aber, Ethan Couch könnte inzwischen zur Einsicht gelangt sein, hat sich nicht erfüllt. Der inzwischen 18-Jährige wurde Anfang Dezember 2015 bei einem Trinkgelage gefilmt. Ein eindeutiger Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen. Nach einer Flucht nach Mexiko wurde Couch an die USA ausgeliefert und sitzt seitdem – Häftlingsnummer „0879903“ – in Einzelhaft in Fort Worth.

Doch wer nicht hören will...

Und auf weitere Streicheleinheiten seitens der US-Justiz braucht er nun nicht mehr zu warten: Bezirksrichter Timothy Menikos kündigte an, weitere Verstöße gegen die Auflagen in Zukunft gnadenlos zu bestrafen. Couch drohen demzufolge sogar 40 Jahre Gefängnis – zehn Jahre für jedes einzelne Opfer des Autounglücks. Und diesmal wird dem verwöhnten Texaner vielleicht klar, dass ihm das viele Geld seiner Eltern nicht helfen wird, um die Strafe zu umgehen. Kommentar vieler Prozessbeobachter: „Höchste Zeit!“

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Totschlag § 212 StGB

Schwere Körperverletzung § 226 StGB

Straßenkreuz in den USA

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