Dreijähriger zu lebenslanger Haft verurteilt

Freitag, 26.02.2016 PK

Trotz aller Kritik können wir mit unserer Justiz doch recht zufrieden sein. Denn was zum Beispiel gerade  in Ägypten abläuft, kann in dieser Form bei uns nicht passieren. Ein Militärgericht verhängte dort eine lebenslange Haftstrafe - gegen einen dreijährigen Jungen! Vorwurf: Er soll sich an gewalttätigen Protesten beteiligt haben…

Dass der kleine Mann zum Tatzeitpunkt erst 16 Monate alt war, interessierte die Ägyptischen Richter offenbar nicht. Der Junge wurde ganz einfach, zusammen mit 115 weiteren Angeklagten, vor Gericht gestellt. Damals waren bei den Krawallen im Januar 2014, die sich gegen die Absetzung des damaligen Präsidenten Mohammed Mursi richteten, drei Menschen getötet worden. 

Die Polizei interessiert sich für gar nichts

Schon vor diesem Prozess hatte ein ziviles Gericht den Jungen zu drei Jahren Haft verurteilt, aufgefallen ist das zum ersten Mal, als die Polizei ihn zu Hause abholen wollten. Immerhin haben die Polizisten bemerkt, dass dies nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Aber statt nachzufragen, haben sie kurzerhand den Vater des Jungen verhaftet. Irgendeiner aus der Familie musste schließlich Dreck am Stecken haben. Und der Mann saß dann geschlagene vier Monate im Gefängnis, bevor ein Richter sich bequemte, ihn wieder freizulassen.

Willkürliche Anklagen ohne Ermittlung

Das Rechtssystem der einstigen „Weltmacht der Antike“ wird von Anwälten immer wieder scharf kritisiert. So kursiert zum Beispiel der Vorwurf, die Behörden hätten gerade einmal 24 Stunden lang ermittelt, wer denn die Aufrührer bei den Krawallen 2014 waren – und dann  mehr oder weniger willkürlich 116 Angeklagte benannt. Stichhaltige Beweise für diese Vorwürfe gegen die Richter gibt es bisher nicht – außer den dreijährigen Jungen und seinen Vater.

Diese Ausrede weckt kein Vertrauen

Als die beiden vor wenigen Tagen dann in einer Talkshow auftraten und der Vater unter Tränen flehte, man möge seinen kleinen Jungen verschonen, gab es eine Überraschung für das Publikum: Ein Mitarbeiter des Innenministeriums ließ sich telefonisch in die Live-Sendung durchstellen und erklärte, die Anklage sei eine Verwechslung. Tatsächlich angeklagt sei ein 16-Jähriger mit gleichem Namen. Warum vorher niemand die Daten mit der Geburtsurkunde abgeglichen hat, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben – genau so, wie viele Menschen in Ägypten bereits unschuldig verurteilt worden auch.

Proteste in Cairo

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