Mehr Sicherheit oder reine Abzocke? Deutschlands Blitzermeile Nummer eins

Freitag, 30.10.2015 PK

Sechs Jahre lang wurde in München gebaut, um die Autos in den „Keller“ zu schicken, und seit dem Sommer ist es endlich soweit: der Luise-Kiesselbach-Tunnel wurde freigegeben. Frei? Autofahrer fühlen sich darin eher beengt, denn im Durchschnitt lauert alle 50 Meter ein Blitzer…

Sie haben sich nicht verlesen: Allein auf den 1,5 Kilometern Tunnel-Länge wurden 30(!) Radarfallen in die Wände eingebaut. Ein „Meilenstein für Anwohner und Autofahrer“, wie Oberbürgermeister Dieter Reiter und Verkehrsminister Joachim Herrmann in ihrer Einweihungsrede betonten – sie meinten damit aber wohl eher das Tunnelprojekt an sich.  

Doch es geht noch mehr

München hat noch mehr solcher „Meilensteine“ zu bieten: Der 2002 eröffnete Petueltunnel wurde im vergangenen Jahr mit zwei Blitzern pro Fahrtrichtung aufgerüstet, im Richard-Strauß-Tunnel wurden von vornherein stolze 24 verbaut. Das macht zusammen mit dem Luise-Kiesselbach-Tunnel insgesamt 58 Blitzer! Damit ist Münchens Mittlerer Ring jetzt Blitzermeile Nummer eins in Deutschland. In keiner anderen deutschen Stadt wird auf einer Straße so viel geblitzt wie in der Isar-Metropole.

Harsche Kritik an der Geldgier

Der Automobilclub „Mobil in Deutschland“ kritisiert diese Totalüberwachung aufs Schärfste:  „Tunnel neuester Bauart müssen verkehrssicher sein, auch ohne dass es zig Blitzer gibt. Wenn sie ohne Blitzer nicht sicher sind, dann dürfen sie auch dem Verkehr nicht übergeben werden... die Blitzer haben nur einen einzigen Zweck: Sie dienen der Geldeinnahme, oder wie die meisten Autofahrer es formulieren: Es ist reine Abzocke.

Abgezockt fühlen sich die Verantwortungslosen?

Immerhin sind 60 km/h unterirdisch erlaubt. Das dürfte schnell genug sein, zumal man unter sämtlichen oberirdischen Ampelkreuzungen hinwegtaucht. Aber ist das nun wirklich Abzocke, wenn Autofahrer wegen Raserei bestraft werden? 

Das Abkassieren gehört zum Masterplan

Die Meinungen dazu gehen auseinander. Ein Indiz dafür, dass die Stadt München sich gern die Kassen füllt, gibt es aber: An einer Baustelle im Münchner Osten hatte man eine Blitzeranlage installiert. Die Kosten des Bauprojektes: 6,7 Mio. Euro. Diese wurden allerdings durch die Bußgeldeinnahmen allein dieses einen Blitzers mehr als reichlich wieder herein geholt: innerhalb eines Jahres wurde die Anlage 85.233 Autofahrern zum Verhängnis. Auf jeden Fall ein vielversprechender Kandidat für den Finanzmitarbeiter des Monats…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Zulässige Höchstgeschwindigkeit § 3 Abs. 3 StVO und § 41 StVO (Zeichen 274)

Blitzer

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