Rente auch für Totgeglaubte

Mittwoch, 03.02.2016 DOD

Stirbt ein Mensch, dann wird sein Tod in Deutschland durch einen amtlichen Totenschein beurkundet und es gibt einen Eintrag ins Sterberegister beim Standesamt. Erst danach kann das Erbe geregelt werden. Doch was passiert, wenn ein Mensch stirbt und von seiner Leiche fehlt jede Spur?…

Erst mal die positive Seite: Auch ein Totgeglaubter hat einen Anspruch auf Rente. Die gesetzliche Rentenversicherung darf nicht eigenmächtig die Zahlung einstellen - so geschehen bei einem 76-jährigen Rentner, der alleine eine Bergwanderung machte und von dieser nie zurückkehrte.

Kasse muss weiterzahlen

Nach fünf Jahren stellte die Rentenkasse einfach die Zahlungen ein. Es wurde zwar nie eine Leiche gefunden, doch nach Meinung der Versicherung sprach alles für den Tod des Mannes. Doch damit kam die Rentenkasse nicht durch: Solange der Rentner nicht offiziell vom Amtsgericht für tot erklärt würde, müsse an sein Konto weiterhin die gesetzliche Rente bezahlt werden, entschieden die Richter.

Erben müssen warten

Allerdings - und das ist die negative Seite: Auch das Testament wird erst eröffnet, nachdem der Vermisste amtlich für tot erklärt wurde. Und das kann dauern. In der Regel zehn Jahre. Wenn ein Mensch das 80. Lebensjahr überschritten hat, sind es dann nur noch fünf Jahre. 

Einsame Wanderungen können zur Erbfalle werden

Kürzere Fristen gelten, wenn der Verschollene mutmaßlich bei einem Schiffs- oder Flugzeugunglück ums Leben gekommen ist. Gab es also ein größeres Unglück dieser Art, kann im Vermisstenfall ein Tod als wahrscheinlich gelten. Und das beschleunigt die Sache dann. Bei einem einsamen Bergwanderer allerdings, der einfach so spurlos verschwindet, ist das nicht der Fall. Kasse und Erben werden also noch warten müssen… (siehe: „Schatz, ich bin dann mal tot“)

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Sozialgericht Dortmund, Urteil vom 24. Mai 2007, Az.: S 26 R 278/06

§ 1319 BGB, § 11 VerschG

Ausgehobenes Grab

Weitere Artikel

Kommentare