Wie man mit einer Geisterverhandlung den Führerschein retten kann

Dienstag, 02.02.2016 PK

Selbst wer betrunken auf dem Fahrrad unterwegs ist, muss ab 1,6 Promille den Autoführerschein abgeben. Und den bekommt er nicht zurück, ohne sich vorher einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) zu unterziehen. Aber mit einem geschickten Trick kann es gelingen, den Führerschein gar nicht erst abgeben zu müssen

Vor kurzem kam es in München zu einem bemerkenswerten Prozess gegen einen Radfahrer, den die Polizei auf dem Rückweg vom Oktoberfest, mitten in der Nacht, aus dem Verkehr gefischt hatte. Eigentlich hatte sich der Mann gar keinen so schlechten Plan zurechtgelegt: Mit dem Auto zum Bierzelt? Keine gute Idee. Also besser mit dem Fahrrad hin. Dass er den Drahtesel auf dem Rückweg besser geschoben hätte – mit 1,76 Promille im Blut – steht auf einem anderen Blatt.

Strafbefehl akzeptieren – ein teurer Fehler 

Mit seinem Pegel lag er jedenfalls deutlich über 1,6 Promille – und galt damit als absolut fahruntauglich. Folglich drohte ihm der Verlust des Führerscheins. Der wurde zwar nicht sofort eingezogen, allerdings ist eine MPU ab diesem Promillewert Pflicht. Der Strafbefehl, gegen den er sofort Einspruch einlegte, lautete dann auch über 1000 Euro. Und zusätzlich sollte er zum „Idiotentest“ (MPU). Hätte er sofort bezahlt und den Test gemacht, wäre er mit Sicherheit durch den Test gefallen und seinen Führerschein los gewesen. Aber der 46-jährige Industriekaufmann spielte auf Zeit. Dahinter steckt ein geschickter Winkelzug, den nicht einmal Staatsanwaltschaft und Gericht durchschaut haben. Und der führte dazu, dass der Mann seinen Führerschein erst einmal behalten kann. Wenn für ihn alles glatt läuft, muss er ihn überhaupt nicht abgeben.

Scheingefecht, um Zeit zu schinden

Zu seiner Berufungsverhandlung kam nur der Verteidiger. Der trug nur zum Schein die Bitte vor, man möge doch die Strafe von 1000 Euro ein wenig reduzieren. Das Gericht lehnte erwartungsgemäß ab – so dass für den Anwalt die Möglichkeit der Revision offenstand. Und genau darauf kam es ihm in dieser „Geisterverhandlung“ an: Denn bis zur Revisionsverhandlung vergeht ganz sicher mindestens ein halbes Jahr – seit dem Strafbefehl ist dann sogar ein ganzes Jahr ins Land gegangen. Ein Jahr, in dem sein Mandant  keinen einzigen Tag seinen Führerschein abgeben musste. Außerdem hat dieser damit eine echte Chance, die MPU zu bestehen. Denn dafür muss man in der Regel eine einjährige Alkoholabstinenz nachweisen. Hätte der Mann die MPU sofort angetreten, hätten ihn die Psychologen nach der Bescheinigung dieser Alkoholabstinenz gefragt. Und er wäre prompt durchgefallen und hätte auf jeden Fall seinen Führerschein daraufhin abgeben müssen.

Bierglas im Fahrradkorb

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