50 Shades Of Grey – Reitpeitsche oder lieber Kekskrümel?

Dienstag, 17.02.2015 PK

Wer es nach dem visuellen Genuss von „50 Shades Of Grey“ selbst ausprobiert hat, wie sich Bondage-Erotik anfühlt, wird festgestellt haben, dass es ordentlich weh tun kann, wenn man eins mit der Reitgerte übergezogen bekommt. Und uns interessiert natürlich jetzt die Frage, ob der gegenseitige Schlagabtausch in deutschen Betten auch rechtliche Konsequenzen haben kann…

Er kann! Jedenfalls, wenn es die Beteiligten zu weit treiben. Strafrechtlich ist das allerdings kaum relevant. Zwar geht Sado-Maso-Sex einher mit Körperverletzung (§§ 223 - 233 StGB), Freiheitsberaubung und Nötigung (§§ 239, 240 StGB), aber wenn Fesselungen und Schläge im beiderseitigen Einvernehmen geschehen, ist der objektiv strafbare Tatbestand nicht rechtswidrig – es sei denn, die Tat verstößt gegen die guten Sitten. Was heißt das jetzt wieder?

Verstößt das gegen die guten Sitten?

Nicht weniger als dies: Die Einwilligung muss freiwillig sein, d.h. der oder die Einwilligende muss eine „natürliche Einsichts- und Urteilsfähigkeit hinsichtlich der Tragweite des fraglichen Eingriffs“ besitzen. Wichtig dabei zu wissen: Die Einwilligung in eine „Verletzungshandlung, die in einer dauerhaften körperlichen Beeinträchtigung mündet“, ist sittenwidrig.

Die Grenzen der Einwilligung

Auch gegenseitige Abkommen - sogenannte „Sklavenverträge“ - verstoßen gegen die guten Sitten und sind daher nichtig (§138 BGB). Die Einwilligung in die „Behandlung“ kann zudem jederzeit widerrufen werden. Von diesem Moment an fehlt die „wirksame Einwilligung“ – und wenn der Partner dann trotzdem weitermacht, ist das strafbar!

Rechtlich aber immer auf dünnem Eis

Ein Problem bleibt aber immer: Auch im Nachhinein kann natürlich behauptet werden, die Bondage-Session sei keineswegs einvernehmlich geschehen. Die speziellen Praktiken setzen also einiges an beiderseitigem Vertrauen voraus, um auch aus juristischer Sicht sicher zu sein. Wem das alles deshalb zu gefährlich ist, kann ja vor dem Sex im Bett ein paar Kekse oder Zwieback knabbern. Die kleinen spitzen Krümel sollen angeblich auch ganz schön auf nackter Haut pieksen… Doch ganz gleich, ob der Kinofilm nun den versprochenen sexuellen Brennwert geliefert hat – die einschlägigen Erotik-Versandhäuser haben bereits im Vorfeld eine deutliche Umsatzsteigerung bei Bondage-Spielzeugen registriert. Was die Vermutung nahelegt, dass jetzt einigen Kinobesuchern die Po-Backen brennen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Körperverletzung (§§ 223 - 233 StGB), Freiheitsberaubung und Nötigung (§§ 239, 240 StGB), Einwilligung (§228 StGB), Sittenwidriges Rechtsgeschäft (§ 138 BGB)

Handschellen

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