Weltweiter Pulleralarm: Warum alle über Deutschland lachen

Sonntag, 25.01.2015 PK

Über dieses Urteil amüsiert sich inzwischen die ganze Welt: Nachdem ein Düsseldorfer Richter entschied, dass einem Mieter das Urinieren im Stehen nicht verboten werden kann, wundern sich darüber sogar die „New York Times“, die britische „BBC“ und das neuseeländische „Radio New Zealand“. Wenn die wüssten, was hier wirklich abgeht…

Sicher kennen Sie die Vorgeschichte: Ein Mieter hatte mangels Treffsicherheit Urinspritzer an den Badfliesen hinterlassen, die sich nicht mehr spurlos entfernen ließen. Denn der Bodenbelag bestand ausgerechnet aus Marmor – und der wird nun einmal durch „saure“ Flüssigkeiten matt. Folglich wollte der Vermieter die Kaution nicht vollständig zurückzahlen, als der Mieter auszog.  

Muss er aber, entschied das Amtsgericht Düsseldorf, mit der Begründung: „Trotz der Domestizierung des Mannes ist das Urinieren im Stehen noch weit verbreitet – und gehört zum vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung.“

Nicht alle Haustiere sind stubenrein

Die Formulierung „Domestizierung des Mannes“ in diesem Zusammenhang dürfte vielen Frauen aus der Seele sprechen: Männer als Haustiere – nur leider sind nicht alle stubenrein. Inwiefern der Vergleich jedoch mit der Realität standhalten kann, zeigen die folgenden Fälle:

40.000 Zuschauer als Zeugen

Zehn Minuten vor Ende des Champions-League-Spiels VfB Stuttgart gegen die Rumänische Mannschaft von Unirea Urziceni (2009) hüpfte der Stuttgarter Torwart Jens Lehmann plötzlich über die Bande und ließ dahinter ordentlich Druck vom Kessel. Dafür hätte er eigentlich die gelbe Pinkelkarte bekommen müssen – aber der Schiri hatte nichts gemerkt.

Wenn ein Rentner es nicht aushält

Aufmerksamer und vor allem gnadenlos waren zwei Polizisten, die einen 64-jährigen Rentner dabei erwischten, wie er sich in die Büsche schlug. Obwohl der Mann von sonst niemandem bemerkt worden war, und er folglich auch niemanden belästigt haben konnte, wurde ihm ein Bußgeld von 35 Euro auferlegt. Sein Einspruch vorm Amtsgericht Stuttgart hatte keinen Erfolg: Zu den 35 Euro kamen daher noch die Prozesskosten dazu.

Die königliche goldene Dusche

Der Rentner ist damit jedoch noch glimpflich davongekommen. Immerhin drohen in Deutschland einem Wildpinkler bis zu 5000 Euro Ordnungsstrafe. In Hannover etwa – wo vor 15 Jahren Prinz Ernst August von Hannover einen Pavillon „angestrahlt“ hatte. Er musste aber allerdings nur das Regelbußgeld von damals 75 Mark bezahlen. Auch der Hochadel pinkelt eben kein Gold, und der Spitzname „Pinkelprinz“ ist vielleicht Strafe genug.

Nur  Berlin hat ein Herz für Pinkler

Berlin lässt hingegen gegenüber Wildpinklern Milde walten. Dort wird nur ein Verwarnungsgeld von 20 Euro kassiert. Auch Regensburg, Münster, Aachen und Düsseldorf sind mit Pinkelpreisen von 35 Euro eher moderat. Mainz, München und Köln hingegen, wo zum Oktoberfest oder Karneval Tausende für eine öffentliche Pipiflut sorgen, haben ihre Sätze mittlerweile auf 75 Euro bzw. 100 und 200 Euro angehoben. Was für eine Welt, in der wir leben.

 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Amtsgericht Düsseldorf, 42 c 10583/14

Mann am Hydrant

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