Schlaraffenland und all inklusive

Samstag, 09.07.2016 HH

Ein Ort zum Relaxen oder wahlweise zum Arbeiten - so präsentieren sich „Business Lounges“ in Deutschen Flughäfen. Hier versperrt kein überladener Gepäckwagen, heulende Kinder oder geplatzter Koffer den Weg, hier wird der Fluggast sanft in den Wohlfühl-Modus geschaukelt. Und aus diesem Modus kam ein Fluggast gar nicht mehr heraus…

…denn sein flexibles „One-Way-Business-Class-Flugticket" von München nach Zürich nutzte er insgesamt 36 Mal, um als Gast in der Münchner Flughafen-Lounge zu relaxen. Dabei benutzte er immer dieselbe Bordkarte als Eintrittskarte. 

Warum nur einmal, wenn’s so schön war

Sein Flugticket erlaubte ein kostenfreies Umbuchen. Also kam er immer wieder, aß, trank, fühlte sich wohl und ging wieder. Bis zum nächsten Besuch. Am Schluss gab er das Ticket sogar gegen den Kaufpreis zurück. Und das Ganze ohne jemals abgeflogen zu sein. Doch irgendwann flog der Mann auf.

Und is(s)t der Gast auch noch so schlecht…

Die Fluggesellschaft forderte darauf von dem Mann fast 2.000 Euro zurück, da sie sich pro Essen auf eine Pauschale von 55 Euro stützte. Der „aus-geloungte“ Ex-Passagier sah das jedoch überhaupt nicht ein - schließlich sei „nirgendwo gestanden, dass die Anzahl der kostenfreien Umbuchungen begrenzt sei“. So durfte sich deswegen das Amtsgericht München mit dieser sehr weiten Auslegung des Begriffs „Gastfreundschaft“ auseinandersetzen. 

Ganz so schlau war’s eben doch nicht

Und dies urteilte, dass auch den Fluggast eine gewisse „Mitwirkungspflicht“ treffen würde: nämlich die tatsächliche Abflugs-Absicht. Daher sei die Forderung der Fluggesellschaft berechtigt, und der Mann wird wohl zahlen müssen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Amtsgericht München, AZ. 213 C 31293/13, Urt. v. 24.02.2014

Business Lounge im Flughafen Dubai

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