Wenn ein 12-Jähriger zum Sexualstraftäter wird

Freitag, 03.06.2016 PK

Sie werden es nicht glauben: Ein Sechstklässler zieht sich vor einer 11-jährigen Mitschülerin die Hose herunter und fordert sie zum Oralsex auf. Dass er deswegen von der Schule fliegt, wollen seine Eltern jedoch nicht akzeptieren und klagen…

Offenbar ist der Bengel aber auch sonst ein ziemlicher Rüpel: Er beleidigte wiederholt seine Mitschüler, provozierte sie oder ging sie sogar direkt mit Gewalt an. Der Vorfall, der jetzt vor Gericht landete, schlägt allerdings dem Fass den Boden aus. „Blas mir einen“, forderte der 12-Jährige. Er war zusammen mit einem Freund auf dem Nachhauseweg, als er auf die 11- jährige Schülerin traf, die die fünfte Klasse derselben Schule besucht. Sogleich zog er sowohl Hose als auch Unterhose herunter und forderte das Mädchen zum Oralsex auf. 

Der Täter ist noch nicht strafmündig

Schockiert vertraute sich das Mädchen darauf ihrer Sportlehrerin an. Die Eltern der Schülerin erstatteten Anzeige gegen den Jungen – doch erst ab dem vollendeten 14. Lebensjahr ist man in Deutschland strafmündig. Das bedeutet: Eine Strafe im Sinne des Gesetzes hat er nicht zu erwarten. Wohl aber eine disziplinarische Maßnahme seitens der Schule: Die Schulleiterin erließ einen sofortigen Schulausschluss.

Zu Recht der Schule verwiesen

Dagegen legte der Junge, selbstverständlich vertreten durch seine Eltern, Widerspruch ein. Zugleich beantragte er beim Verwaltungsgericht Stuttgart, den angeordneten Sofortvollzug des Schulausschlusses auszusetzen. Daraus wurde jedoch nichts. Das Gericht war der Ansicht, dass er den Schulverweis wegen des sexuellen Übergriffs zu Recht erhalten hatte. Die Richter kamen zu der Ansicht: Bei diesem Jungen liegt ein schweres und zudem wiederholtes Fehlverhalten vor. 

Von wegen: War doch bloß Spaß

Dass er wiederholt bestritt, sein Geschlechtsteil entblößt zu haben, half ihm nicht. Und auch nicht die Behauptung, er habe sich bei dem Vorfall auf der anderen Straßenseite befunden und seine Hose sofort wieder hochgezogen mit den Worten: „War bloß Spaß.“ Für das kleine Mädchen war es nämlich alles andere als Spaß: Es handelt sich hier um eine sexuelle Belästigung und eine Verletzung sowohl der sexuellen Selbstbestimmung wie auch des Ehrgefühls.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Man mag sich fragen, was den kleinen Rüpel zu dieser Entgleisung getrieben hat. Alterstypisches, vorpubertäres Verhalten war es jedenfalls nicht. Bliebe also die Frage, was da in den letzten Jahren alles schief gelaufen ist im Leben des Jungen, und wer da eventuell Schuld auf sich geladen hat. Wie auch immer: Für die Richter war es ohne Belang, ob der Schüler die Tat selbst als Spaß empfunden hat oder nicht – auch wenn er die Tragweite seines Fehlverhaltens sicher nicht richtig einschätzen konnte. Bleibt nur zu hoffen, dass dies das letzte Mal war, dass der junge Mann so etwas getan hat.

"Unterrichtsausschluss: Wer pöbelt, fliegt"

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Verwaltungsgericht Stuttgart, Beschuss vom 03.05.2016 – 12 K 2336/16

Junge mit Kapuze

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