Wenn das Arschgeweih in die Hose geht

Freitag, 08.05.2015 PK

Top-Models wie Cara Delevingne und Heidi Klum haben welche, auch die Schauspielerinnen Angelina Jolie und Taryn Manning tragen farbige Tinte unter der Haut. Der Trend zu Tattoos scheint ungebrochen. Seit neuestem schickt auch Jean Paul Gaultier zum Beispiel fast nur noch tätowierte Models über den Catwalk.

Wenn aus dem zarten Schmetterling ein Kampfflieger wird

Was uns spätestens in der Freibad- und Strandsaison nicht verborgen bleibt: Jeder Zehnte trägt Tattoo, in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen sogar fast jeder Vierte. Und was ebenfalls schmerzlich auffällt: Ein vor zehn Jahren gestochenes Arschgeweih sieht inzwischen oft so aus wie ein verwelkter Baum.

Patient ohne Rechte

Spätestens an dieser Stelle braucht es juristische Aufklärung. Denn alle, denen ihre Entscheidung von vor zehn Jahren peinlich ist, würden sie natürlich am liebsten rückgängig machen. Technisch oft machbar – aber teuer. Und die Krankenkasse zahlt das nicht. Im Gegenteil: Laut dem „Petzparagraphen“ (294a SGB V) sind Ärzte und Krankenhäuser sogar verpflichtet, den Krankenkassen Komplikationen bei Tätowierungen oder deren Entfernung zu melden. Der Versicherte muss sich dann an den Heilkosten beteiligen. Zudem besteht in solchen Fällen kein Anspruch auf Entgeldfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit. 

Unsere Richter sind gnadenlos

Was muss man noch wissen? Dass ein Arschgeweih in der Schweiz als „Schlampenstempel“, in Österreich als „Arschvignette“, und etwas vornehmer ausgedrückt als „Bürzelpalme“ bezeichnet wird...

Vergessen Sie es gleich wieder. Ihre Aufmerksamkeit sollte den eigenen Rechten gelten. 

Verpfuscht der Tätowierer das Hautgemälde, muss man sich nicht auf eine Nachbesserung einlassen. Vielmehr steht dem Auftraggeber Schmerzensgeld zu (Oberlandesgericht Hamm: I-12 U 151/13).

Anders liegt der Fall, wenn ein bereits gestochenes Tattoo plötzlich nicht mehr gefällt (Landgericht Kassel: 1 S 34/09) oder man selbst versucht hat, den Farbstoff wieder auszuwaschen (AG München: 213 C 917/11).

Was Sie sich übrigens nicht gefallen lassen müssen, sind öffentlich zur Schau gestellte Nazi-Tattoos. Jemand, der Hakenkreuz, Reichskriegsflagge oder ein Hitler-Portrait zeigt, wird sofort von der Polizei festgenommen. Auch Richter kennen da keine Gnade: Haftstrafen sind keine Ausnahme.

Kultig, aber riskant

Vorsicht ist außerdem mit chinesischen Schriftzeichen geboten, weil einige Tätowierer es womöglich selbst nicht besser wissen oder aber den Kunden absichtlich veralbern. Bei Zeichen, die Sie nicht kennen, steht hinterher vielleicht nicht „Nutze den Tag“ auf Ihrem Rücken, sondern „Gebratenes Huhn süßsauer“.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

294a SGB V

Oberlandesgericht Hamm: I-12 U 151/13, Landgericht Kassel: 1 S 34/09, AG München: 213 C 917/11

Stars und ihre Tattoos: bei fem.com

Tätowierer

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