Roman Polanski: Das halbe Leben auf der Flucht vor der Gerechtigkeit

Montag, 16.11.2015 PK

Bereits im Jahr 1977 wurde der polnische Star-Regisseur wegen Sex mit einer Minderjährigen, der damals 13 Jahre alten Samantha Jane, angeklagt. Und obwohl er sich schuldig bekannt und sogar dafür ins Gefängnis kam, ist der Fall immer noch nicht abgeschlossen – nach nunmehr 38 Jahren!

Inzwischen ist Polanski 82. Und noch immer will ihn die USA in Haft nehmen. Dabei gab es ursprünglich zwischen Polanski und dem damaligen Richter einen „Deal“: Um einen langen Prozess zu vermeiden, sollte sich Polanski schuldig bekennen und ein paar Monate absitzen. Polanski erfüllte dann auch seinen Teil der Abmachung und kam nach 42 Tagen frei. Doch plötzlich hielt sich der Richter nicht mehr an die Vereinbarung: Er wollte Polanski wieder einbuchten.

Hausarrest in der Schweiz

Der Filmemacher floh nach Paris. Und ist seitdem auf der Flucht. 2009 wurde er dann bei der Einreise in die Schweiz festgenommen und landete aufgrund des US-Haftbefehls zunächst in Abschiebehaft, später bekam er Hausarrest. In die USA ausgeliefert wurde er nicht.

Keine Auslieferung an die USA

Doch das Rechtssystem in Amerika vergisst so schnell niemanden. Seit Februar gibt es nun einen neuen Auslieferungsantrag: Polanskis Heimatland Polen soll ihn, einen der eigenen  Bürger, an die US-Justiz überstellen. Zu seiner Erleichterung aber muss er das nicht mehr fürchten: Das Krakauer Bezirksgericht erklärte vor Kurzem den Antrag der amerikanischen Justiz für unzulässig. 

Das Opfer spricht ihn frei

Das stützt sich auf zwei Fakten: Das damalige „Opfer“ hatte sich ausdrücklich dafür ausgesprochen, die Justizmaschinerie zu stoppen. Obendrein hat das „Mädchen“, mittlerweile 51 Jahre alt, dem Täter längst verziehen, wie sie in ihrer Autobiografie („The Girl - A Life in the Shadow of Roman Polanski“) selbst schreibt. Aus dem Buch ergibt sich übrigens auch, wie es überhaupt zu diesem fatalen Kontakt mit Polanski kommen konnte: Samantha Gailey (heutiger Nachname: Geimer) wollte sich damals von ihm für eine Sondernummer der „Vogue“ fotografieren lassen und damit so berühmt werden wie Nastassja Kinski.

Wem würde ein Prozess noch nützen?

Der Fall hinterlässt kein gutes Bauchgefühl. Da bleibt einerseits die unbeantwortete Frage, ob Justiz nötig ist, wenn das Opfer sie nicht will. Andererseits die Tatsache, dass das, was damals geschah, nichts anderes war als eine brutale Vergewaltigung, und zwar von einer 13-Jährigen…

Roman Polanski

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