Marco Reus: Sport und Totschlag

Montag, 24.11.2014 PK

22. November 2014, 16.49 Uhr. SC Paderborn gegen die Borussen. Dortmund führt mit 2:1, als es geschieht: Marvin Bakalorz, der Ex-Dortmunder, tritt seinem ehemaligen Zimmergenossen Marco Reus derart die Beine weg, dass dieser mit einer Trage vom Platz getragen werden muss. Vorläufige Diagnose: Außenbandriss. Reus wird die nächsten Monate nicht mehr seinen Beruf ausüben können. Konsequenzen für Bakalorz hatte dies dennoch nicht: Er bekam „nur“ die gelbe Karte.

Der Schiri kann nach Hause gehen

Das solche schweren Fouls auf dem Platz ungesühnt bleiben, liegt meist am unaufmerksamen Schiedsrichter. Dennoch können solche Aktionen auch ein juristisches Nachspiel haben. Grobe Fouls im Fußball können nach einem richtungweisenden Urteil drastische finanzielle Konsequenzen für den Übeltäter haben. So bekam der Spieler einer Kreisliga-Mannschaft 50.000 € Schmerzensgeld von seinem Gegner, da er nach dessen Foul zweieinhalb Jahre nicht arbeiten konnte.

Wer austeilt muss auch auszahlen können

Was sich unsportliche Spieler auch dringend merken sollten: Die private Haftpflichtversicherung zahlt nicht bei Vorsatz. Der Täter muss den Betrag also im Zweifel aus eigener Tasche aufbringen.

Strafbar oder nicht?

Die strafrechtliche Ahndung von Körperverletzungen im Sport ist umstritten. Denn regelkonformes Verhalten im Wettkampf schließt den Tatbestand einer Körperverletzung eigentlich aus. Regelwidriges Verhalten dagegen bedeutet im Grundsatz eine Rechtswidrigkeit. Liegt aber eine strafbare Körperverletzung vor, so führt das trotzdem nicht zwangsläufig zu einer Ahndung von Amts wegen. Verfolgt wird die fahrlässige Körperverletzung nämlich nur auf Antrag. Der Verletzte kann aber an Stelle der Staatsanwaltschaft selbst Klage erheben.

Lebendig seid ihr uns am liebsten 

Dass wir harten Einsatz von unseren Spielern erwarten, ist klar. Dass dies aber nicht zu Mitteln führen darf, die womöglich schwerste Verletzungen oder Schlimmeres eines Spielers zur Folge haben, muss ebenso klar sein. Keiner wünscht sich Szenen wie in Indonesien, als ein Fußballer nach einem Tritt in den Bauch starb. Nun ist ein Außenbandriss natürlich damit nicht vergleichbar und heilbar. Aber tragisch ist es trotzdem. Und unnötig. Unsere besten Genesungswünsche an Marco Reus kommen von ganzem Herzen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

OLG Hamm: : I-6 U 241/11, Oberlandesgericht Karlsruhe: 9 U 162/11

§ 230 StGB, Privatklage; § 374 StPO

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