Zähne ziehen für die Potenz

Donnerstag, 04.06.2015 DOD

Ein Zahnarzt aus München muss einem 28 Jahre alten Mann 20.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Grund: Der Mediziner hatte seinem Patienten die letzten 19 Zähne gezogen. Der psychisch kranke Patient hatte nämlich gedacht, er könne damit seine Potenzprobleme beheben…

Es ist wie in einem Alptraum: Man geht mit Zähnen zum Zahnarzt und kommt ohne wieder aus dem Behandlungszimmer. So ähnlich ist es einem Mann aus Kassel ergangen. Der 28-jährige psychisch kranke Mann hatte sich 2013 von einem Münchner Zahnarzt in nur wenigen Tagen die letzten 19 Zähne ziehen lassen und dafür insgesamt 2.047 Euro gezahlt.

Keine gültige Einwilligung

Der junge Mann hatte dies zwar selbst gewünscht, da er davon ausging, dass in seinen Zähnen negative Energieströme flossen und sie auch für seine Potenzprobleme verantwortlich seien. Das Problem dabei: Der 28-Jährige ist schizophren und steht unter Betreuung. Damit war seine persönliche Einwilligung zum Ziehen der Zähne also gar nicht gültig und hätte vom Arzt nie akzeptiert werden dürfen.

Kein Schuldbewusstsein

Der Zahnarzt, der selber alternativen Heilmethoden anhängt und von „Gift-Zähnen“ bei dem Patienten sprach, war sich keiner Schuld bewusst. Der Patient habe außerdem unter einer Knochenentzündung und anderen zahnmedizinischen Krankheiten gelitten. Aus seiner Sicht war das Ziehen der Zähne also völlig in Ordnung gewesen. Den Mediziner schien es auch nicht zu beirren, dass sein Patient nach dem Verlust aller Zähne eine so starke Krise bekam, dass er zum wiederholten Male in die Psychiatrie musste.

Keine medizinischen Gründe

Ein Gutachten hatte in erster Instanz ergeben, dass es für den massiven Eingriff überhaupt keine medizinischen Gründe gegeben hatte. Deshalb entschied das Oberlandesgericht (OLG) München zugunsten des jetzt zahnlosen Mannes und verurteilte den Arzt zu einer Zahlung von 20.000 Euro Schmerzensgeld sowie der Erstattung sämtlicher Schäden. Der 28-jährige wird nun allerdings sein ganzes Leben auf eine Zahnprothese angewiesen sein.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht München, Urteil vom 15. April 2015

Gezogener Zahn

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