Wie viel bleibt mir, wenn mein Einkommen gepfändet wird?

Dienstag, 08.03.2016 PK

Die Pfändungsfreigrenzen, also all die Beträge, die ein Gläubiger seinem Schuldner nicht wegnehmen darf, sind gesetzlich festgeschrieben – und zwar im Bundesgesetzblatt (BGBl) „I, Seite 618“. Es handelt sich dabei um eine scheinbar endlos lange Tabelle, die kaum jemand überblickt. Aber dahinter steckt ein ganz simples System, das wir schnell und verständlich erklären können:

Was man zunächst wissen muss: Das Netto-Einkommen – egal, ob Arbeits- oder Sozialeinkommen – ist bis zu einem monatlichen Betrag von 1.079,99 Euro unpfändbar. Beträge, die darüber hinausgehen, sind pfändbar. Allerdings nicht vollständig: Einkommen, das über dem Pfändungsfreibetrag liegt, wird zwischen Gläubiger und Schuldner geteilt. Erst ab einem monatlichen Netto-Einkommen über 3.292,09 Euro sind alle darüber hinausgehenden Beträge vollständig pfändbar.

Das kann jeder selbst ausrechnen

Wir kennen jetzt also zwei wichtige Eckdaten. Und was ist dazwischen? Und was, wenn Unterhalt gezahlt werden muss? Hier kommt das versprochene simple System der Pfändungstabelle zum Tragen:

Alleinlebende ohne Unterhaltsverpflichtung haben einen Pfändungsfreibetrag von 1.079,99 Euro. Ab 1.080,00 Euro werden 4,28 Euro und von jeden weiteren verdienten 10 Euro jeweils 7 Euro gepfändet.

Unterhaltsverpflichtete müssen bis 1.479,99 Euro nichts an ihre Gläubiger abführen. Ab 1.480,00 Euro werden 0,98 Euro und von jeden weiteren verdienten 10 Euro jeweils 5 Euro einbehalten.

• Ab einem Einkommen von monatlich 1.710,00 Euro müssen auch diejenigen zahlen, die für zwei Unterhaltsberechtigte aufzukommen haben – und zwar beginnend mit 2,72 Euro, dann für jede weiteren 10 Euro Einkommen 4 Euro.

• Erst ab 1.930,00 Euro Einkommen sind diejenigen in der Pflicht, die drei Unterhaltsberechtigte versorgen müssen. Ihnen werden zunächst 0,49 Euro gepfändet, für jede weiteren 10 Euro Einkommen 3 Euro.

Ein Beispiel, damit nichts schiefgeht

Zum besseren Verständnis ein kleines Rechenbeispiel: Ein geschiedener Vater muss für zwei Kinder Unterhalt zahlen. Sein monatliches Netto-Einkommen liegt bei 1.950,00 Euro, und somit um 24 x 10 Euro höher als 1.710,00 Euro. Demzufolge muss er seine Gläubiger mit (2,72 + 24 x 4) 98,72 Euro pro Monat bedienen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesgesetzblatt I, Seite 618

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