Arbeitsunfall? „Bevor ich nass werde, spring ich aus dem Fenster!“

Freitag, 10.07.2015 MLK

„Du bist doch nicht aus Zucker“, sagen Mütter auf der ganzen Welt zu ihren Kindern und schicken sie trotz Regen zum Spielen nach draußen - und die Kleinen finden das in der Regel auch noch spannend. Anders, wenn man dann älter wird. Denn da kann es schon einmal juristische Folgen haben, wenn man unfreiwillig nass wird…

So ist es zumindest einem 27-jähriger Arbeitnehmer ergangen: Seine Kollegen hatten in der Pause einer beruflichen Umschulung die Chance ergriffen, ein bisschen rumzualbern. Also lieferten sie sich kurzerhand im Klassenzimmer eine Schlacht mit einem Wasserspritztier. Und es kam, wie es kommen musste: unser 27-Jähriger wurde nass.

Wer wasserscheu ist, lebt gefährlich!

Und was machte der? Er sprang aus dem Fenster im 1. Stock! Das Welldach vor dem Fenster konnte ihn natürlich nicht halten, und so landete der junge Mann hart und verletzte sich an Fuß und Wirbelsäule.

Verletzung bei Wasserspritzschlacht gleich Arbeitsunfall?

Und nun ging absehbarerweise das Drama mit der Versicherung los. Denn die gesetzliche Unfallversicherung weigerte sich, die Arztkosten zu übernehmen, da sie behauptete, der Angriff sei kein Arbeitsunfall gewesen, da der Geschädigte im eigentlichen Berufsleben kein Wasserspritztier-Tester sei…

Das Landessozialgericht bestätigte später diese Auffassung. Nach Meinung der Richter fehlte es tatsächlich  „an einem erforderlichen sachlichen Zusammenhang zwischen Unfall und versicherter Tätigkeit“. Eine Revision wurde nicht zugelassen, und der junge Mann musste das Urteil akzeptieren.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Hessisches LSG Urt. v. 24.3.2015, L 3 U 47/13

§§ 2, 8 SGB VII

Businessmann mit Wasserspritzpistole

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