Kleines Geld für kleine Schäden

Montag, 13.07.2015 DOD

Wenn das Auto neu ist, sind Kratzer am Lack besonders ärgerlich. Also ab in die Vertragswerkstatt und den Schaden beheben lassen. Wer das dann privat bezahlt – kein Problem. Doch wehe, man denkt, dass die Versicherung den Schaden übernimmt! Denn die weigert sich im Normalfall standhaft, hohe Kosten für Bagatellschäden zu zahlen…

Die Beifahrerin öffnete die Tür vom neuen Auto und schrammte aus Versehen mit der Unterseite auf einen überhöhten Bordstein. Kratzer im neuen Lack waren die Folge. Der Autobesitzer wollte darauf von der Frau rund 1000 Euro - die Summe, die für die Reparatur in seiner Vertragswerkstatt angefallen waren. Doch die Frau akzeptierte für „die paar Kratzer am Lack“ den hohen Preis nicht und weigerte sich zu zahlen.

Lackschaden: Ein Fall für „Spot-Repair“

Der vom Gericht beauftragte Sachverständige stellte darauf einen minimalen Schaden fest, der durchaus mit einer kostengünstigen Reparatur - der sogenannten Spot-Repair-Methode - hätte behoben werden können. Dabei werden kleinere Lackschäden punktuell (Punkt = engl. Spot) repariert. Der Autobesitzer argumentierte dagegen, dass er das Recht und die Pflicht gehabt hätte, mit seinem Auto in eine Vertragswerkstatt zu fahren, da ihm sonst die Neuwagen-Garantie verloren gegangen wäre. Und diese Werkstatt hätte nach der herkömmlichen Art die Autoteile abgebaut und neulackiert. Daher die hohen Kosten.

Nur bei großen Schäden das volle Programm

Grundsätzlich hat jeder Fahrer eines Neuwagens bei einem Versicherungsschaden das Recht, seinen Wagen in einer Vertragswerkstatt reparieren zu lassen, da sonst die Neuwagen-Garantie erlöschen kann. Dieses Recht entfällt aber bei Bagatellschäden – und das auch auch für Neuwagen! Denn „das komplette Reparaturprogramm für einen kleinen Schadens sei außerhalb der Verhältnismäßigkeit“, so die Richter.    

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Wuppertal, Urteil vom 18. Dezember 2014, Az: 9 S 134/14

Kratzer im Auto

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