Wer zahlt nach einem Lawinenunglück?

Mittwoch, 18.03.2015 DOD

In den Bergen liegt zum Ende des Winters noch reichlich Schnee, doch die Temperaturen steigen. Nach monatelangem Skizirkus steht der Frühling vor der Tür. Schneemassen geraten bei Wärme in Bewegung, das Lawinenrisiko steigt. Doch so mancher Wintersportler vergisst die Gefahr, die in den Bergen lauert. Wer Einsamkeit und Ruhe sucht und deshalb abseits von Pisten und Loipen unterwegs ist, geht ein besonders hohes Risiko ein – auch finanziell…

Vor allem Lawinen werden zur tödlichen Falle. In der Regel können Menschen, die unter Schneemassen begraben sind, 10 bis 20 Minuten überleben. Dann droht ihnen der Erstickungstod. Schnelle Hilfe ist deshalb gefragt, aber die ist in der Abgeschiedenheit der Berge nur schwierig und teuer zu bekommen. Bergretter müssen mit einem Großaufgebot und Spezialisten nach Verschütteten suchen, Helikopter fliegen zur Rettung an.

Hilfe mit Hunden und Helikoptern

So ein Einsatz mit Hunden und Hubschrauber kann locker 25.000 Euro kosten. Da jedoch die gesetzlichen Krankenkassen Lawinenunglücke und aufwändige Vermisstensuche in der Regel nicht bezahlen, ist es ratsam, eine private Bergkostenversicherung abzuschließen. Diese schreibt vor, dass sich Wintersportler, die sich abseits der ausgeschilderten Wege bewegen, vorbereiten und sich rechtzeitig über die Wettersituation informieren müssen. Und sie brauchen eine Sicherheitsausrüstung. Dazu zählen Ortungsgeräte, Sonden und Schaufeln. Wer ohne Ausrüstung und Versicherung verunglückt und gerettet wird, muss die Kosten aus eigener Tasche bezahlen.

Zusatzversicherung ist ratsam

Auf der Piste sieht es da schon anders aus. Dort zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Doch Vorsicht: Die Kassen übernehmen lediglich die Behandlungskosten nach deutschem Tarif. Im Ausland, beispielsweise in den Skigebieten in der Schweiz und Österreich, sind die Kosten jedoch meist höher. Hier lohnt sich eine Zusatzversicherung. Wer allerdings abseits der Pisten unterwegs ist und sich finanziell absichern will, sollte auf jeden Fall eine private Versicherung abschließen. Damit ist man auf der sicheren Seite. Nur im Fall von grobem Leichtsinn kann es dann – je nach Versicherung – zu Streitigkeiten kommen.

Auch Vereine sollten sich versichern 

Dies gilt auch für Veranstalter – und ist richterlich bestätigt. So hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe nach einem Lawinenunglück in Österreich den Deutschen Alpenverein (DAV) verurteilt, Überlebenden Schmerzensgeld und Schadensersatz zu  zahlen. Der Verein hatte eine Tour organisiert, die nach Ansicht der Richter nicht sicher war.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesgerichtshof, Urteil vom 16. März 2004, Az: X ZR 71/02

Alpen, Lawinenschild

Weitere Artikel

Kommentare