Wer im Glashaus sitzt, muss auch mit unsichtbaren Wänden rechnen

Freitag, 06.05.2016 PK

Fachtagung in einem modernen Glasbau: Gedankenverloren schlendert eine Frau an mehreren Gruppen weiterer Tagungsteilnehmer vorbei. Plötzlich kracht sie mit dem Gesicht gegen eine Glaswand und geht verletzt zu Boden. Doch wer zahlt ihr jetzt den Schaden?…

Denn die Verletzungen waren nicht unerheblich: Eine aufgeplatzte Lippe und – viel schlimmer – eine abgebrochene Zahnkrone waren die Folgen der Karambolage. Die Frau forderte deswegen Schadensersatz und Schmerzensgeld, da sie den Veranstalter dafür verantwortlich machte, dass sie die Wand nicht sehen konnte. Ihr Vorwurf: Verletzung der Verkehrssicherungspflicht – eine polierte Verglasung im Gebäude müsse irgendwie gekennzeichnet werden, damit niemand dagegen läuft  und sich verletzt.

Glasklares Urteil 

Ihre Klage vor dem Landgericht Essen blieb jedoch ohne Erfolg. „In einem modernen Glasbau ist nun einmal mit Glaswänden zu rechnen,“ so die Richter. Außerdem seien die Durchgänge in den Glaswänden durchaus zu erkennen gewesen – sie waren nämlich allein durch ihre Türrahmen auffällig genug.

Anders, wenn jeder Zutritt hat

Doch das sehen nicht alle Gerichte so: Das Textilkaufhaus C&A musste deshalb einer 67-jährigen Kundin, die gegen eine Glastür gelaufen war, rund 1.100 Euro ersetzen. Darin enthalten waren Schmerzensgeld, Schadensersatz und Anwaltskosten. Die Rentnerin war in Düsseldorf gegen eine nur teilweise geöffnete Glasschiebetür der dortigen C&A-Filiale geprallt und hatte sich Schürfwunden und Prellungen zugezogen. Auch hier zerbrach eine Zahnbrücke. Erst nach diesem Vorfall hatte die Filialleitung die Glastüren mit Aufklebern in Augenhöhe so auffällig gestaltet, dass sie jedem auffallen mussten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Essen, Urteil vom 01.06.2015 - 18 O 270/14
Amtsgericht Düsseldorf – 50 C 9301/14

Geputzte Glasscheibe

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