Frau hätte sterben können wegen offener Stromrechnung

Dienstag, 26.01.2016 PK

Einem älteren Ehepaar wurde wegen gerade einmal 396 Euro offener Stromrechnungen kurzerhand die Stromzufuhr gekappt. Ein Skandal – denn die schwer kranke Frau hätte dadurch sterben können...

Aufgrund ihrer Erkrankung ist die Frau auf ein Sauerstoffgerät angewiesen, das mit Strom betrieben wird. Den Energiekonzern hat das jedoch nicht im mindesten interessiert: Mit Schreiben vom 5. Februar 2015 wurde dem Ehepaar die Sperrung der Energieversorgung zum 12. Februar 2015 angekündigt. Ob der Mann an Demenz leidet und daher schon mal die Zahlung einer Rechnung übersieht – und ob die Frau schwer lungenkrank ist und ihr Leben daher an einer elektrischen Sauerstoffmaschine hängt – wen interessiert das? Hier musste schließlich unbedingt die Beitreibung eines Betrages von 396 Euro durchgesetzt werden!

Rettung im letzten Moment

Im letzten Augenblick, nämlich am 11. Februar 2015, konnte das Ehepaar beim Amtsgericht Hannover eine einstweilige Anordnung beantragen, um die Stromabschaltung untersagen zu lassen. Die schwerkranken Eheleute trugen glaubhaft vor, aufgrund ihrer jeweiligen Erkrankungen die Zahlungen einfach übersehen zu haben. Und die Richter entschieden: Eine Unterbrechung der Stromzufuhr steht in keinem Verhältnis zu dem Betrag, um den es hier geht – und deshalb ist sie auch nicht gerechtfertigt. Schon gar nicht, weil der Ehefrau im Fall einer Sauerstoffunterversorgung gravierende gesundheitliche Probleme drohen. Der Energiekonzern musste also seine Forderungen zurückstellen, der Strom wurde nicht abgestellt.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Amtsgericht Hannover, Beschluss vom 08.04.2015 – 561 C 3482/15

Alte Hände auf Bett

Weitere Artikel

Kommentare