Todes-Loveparade 2010: Die erste Gerichtsverhandlung in einer Messehalle

Freitag, 02.01.2015 PK

Was die Zahl der erwarteten Zuschauer betrifft, wird dies wohl der größte deutsche Prozess aller Zeiten: Der Fall „Loveparade 2010“, in dem es um 21 Tote und 600 Verletzte geht. Ein normaler Gerichtssaal würde dafür nicht ausreichen: Die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg will daher eine Messehalle in Düsseldorf anmieten.

Zur traurigen Erinnerung: am 24. Juli 2010 ereignete sich in Duisburg während der „Loveparade“, einer Techno-Musikveranstaltung, eine Massenpanik. Ursache war ein Gedränge unter den Besuchern. 21 von ihnen wurden regelrecht totgetrampelt, mindestens 6 Überlebende nahmen sich wegen ihrer seelischen Belastungen in der Folgezeit das Leben.

Prozess erst 5 Jahre nach der Katastrophe

Dieser Fall soll nun 2015 endlich gerichtlich aufgearbeitet werden. Ein Marathon-Prozess, wie es zurzeit aussieht, wenn man sich diese Zahlen ansieht: Allein die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft umfasst 556 Seiten, dazu kommen Ermittlungsakten, die mehr als 37.000 Blatt Papier füllen. Außerdem müssen in der Beweisaufnahme wohl 1000 Stunden Videomaterial angesehen werden.

Staatsanwalt bekommt Unterstützung von 70 Anwälten

Zehn Angeklagte, denen hauptsächlich „fahrlässige Tötung“ (§ 222 StGB, maximale Strafe bis zu 5 Jahre Haft) vorgeworfen wird, werden mit ihren Anwälten im Gerichtsaal sitzen. Doch noch mehr Platz erfordert die umfangreiche Möblierung auf der Anklageseite: Neben dem Staatsanwalt werden mehr als 70 Nebenkläger mitsamt ihren Anwälten Platz nehmen.

Als wichtigstes Beweismittel gilt ein Gutachten eines britischen Panikforschers, aus dem die Staatsanwaltschaft ihren Vorwurf untermauert. Die Angeklagten hätten nämlich schwerwiegende Fehler bei der Planung gemacht – weil sich zu viele Menschen auf zu engem Raum gedrängt hätten, musste es zwangsläufig zum tödlichen Geschiebe kommen. Und genau das hätten die Planer erkennen müssen.

Wir bleiben für Sie am Ball

Noch steht allerdings gar nicht fest, ob das Gericht die Anklage zur Hauptverhandlung überhaupt zulässt. Im Zweifel wird nie jemand zur Rechenschaft gezogen werden können. Wir sind gespannt und werden Sie auf dem Laufenden halten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Duisburg (35 KLs 5/14)

§ 222 StGB

Gedenkstätte

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