Nach 17 Jahren Rechtsstreit: Tabak-Konzerne müssen 11 Milliarden Euro Entschädigung zahlen

Sonntag, 21.06.2015 PK

Drei Tabak-Konzerne sind in Kanada zu einer Rekord-Entschädigung verurteilt worden: Ihnen wird vorgeworfen, Verbraucher nicht ausreichend über die Risiken des Rauchens aufgeklärt zu haben…

Die Kläger - insgesamt 1,02 Millionen Raucher - waren bereits in den 1960er Jahren dem Zigarettenkonsum verfallen. Infolge ihrer Nikotinsucht leiden sie alle an Lungenemphysemen sowie Lungen- oder Kehlkopfkrebs, und dafür machen sie die Tabakhersteller nun verantwortlich. Und nach Ansicht des Obersten Gerichts der kanadischen Provinz Québec trifft dieser Vorwurf zu: Die Klagen, die bereits 1998 eingereicht wurden, führten jetzt zu einem (vorerst) abschließenden Urteil: Die Konzerne „Imperial Tobacco“, „Rothmans Benson & Hedges“ und „JTI-Mac Donald“ müssen 15,5 Milliarden kanadische Dollar (etwa 11,3 Milliarden Euro) an Entschädigungen und Zinsen zahlen.

Von der Werbung verführt

Erwartungsgemäß gehen die drei Unternehmen in Berufung. Sie müssen aber, dessen ungeachtet, bereits jetzt 730 Millionen Euro Entschädigung bereitstellen. Hintergrund dieses drastischen Urteils ist die vom Gericht erkannte Tatsache, dass Raucher nicht ordentlich über die Gefahren des Tabakkonsums informiert wurden. Als weit schwerwiegender wurde allerdings der Umstand gewertet, dass unzählige Menschen durch Werbung zum Rauchen verführt wurden. Im Klartext: Ohne dieses intensive „Werbebombardement“ wären viele von ihnen heute noch Nichtraucher…

Mangelnde Aufklärung

…vielleicht. Denn genau an diesem Punkt setzen die Tabak-Konzerne mit ihrer Gegenargumentation an: Erstens, so die Erklärung, hätten die Kanadier bereits seit den 1950er Jahren ein starkes Gesundheitsbewusstsein, zweitens sei seit über 40 Jahren auf jeder Zigarettenpackung ein deutlicher Warnhinweis aufgedruckt, der das Gesundheitsbewusstsein noch weiter verstärkt hätte.

In Deutschland keine Chance

In den USA erhielt bereits im vergangenen Jahr die Witwe eines an Krebs gestorbenen Kettenrauchers eine Entschädigung von 23 Milliarden(!) Dollar zugesprochen. Bei uns in Deutschland undenkbar. So war zum Beispiel ein Mann aus Lippetal, der im Jahr 2004 versucht hatte, den Reemtsma-Konzern auf 213.000 Euro Schadensersatz zu verklagen, vor dem Oberlandesgericht Hamm damit gescheitert.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Hamm: 3 U 16/04

Kehlkopfkrebs

Weitere Artikel

Kommentare