Stromklau am Arbeitsplatz: Kündigung wegen 1,8 Cent

Mittwoch, 22.04.2015 DOD

Weil er den Akku seines Elektrorollers für 1,8 Cent am Arbeitsplatz aufgeladen hatte, wurde einem Computerfachmann gekündigt. Doch der Entlassene klagte… 

Seit 19 Jahren arbeitete der IT-Experte in der Firma und hatte sich in der ganzen Zeit nichts zu Schulden kommen lassen. Doch als er ausnahmsweise mit einem gemieteten Elektroroller nach Hause fahren wollte, musste er davor erst den Akku wieder aufladen und steckte deshalb das Ladekabel arglos in die Steckdose seines Arbeitsplatzes. Sein Arbeitgeber bemerkte dies und forderte ihn auf, den Akku unverzüglich vom Stromnetz zu nehmen. Der Mann tat dies auch sofort. Wie sich danach herausstellte, waren durch das Aufladen Stromkosten von 1,8 Cent entstanden. Doch der Arbeitgeber sah darin kein Bagatellvergehen, sondern Stromklau - und kündigte den 41-jährigen Familienvater fristlos.

Kollegen wählen „Stromdieb“ in den Betriebsrat

Doch die Kollegen stellten sich hinter den Mitarbeiter und wählten den „Stromdieb“ während des Rechtsstreits sogar in den Betriebsrat des Unternehmens. Und auch das Landesarbeitsgericht urteilte schließlich zu Gunsten des Mannes. Denn „ein geringerer Schaden als im Fall des Computerfachmanns sei kaum vorstellbar“, so die Richter. „Außerdem sei es in der Firma ja auch geduldet worden, das Handy am Arbeitsplatz aufzuladen“. Und da die Firma diesen „Handy-Stromklau“ duldete, hätte sie den 41-Jährigen zumindest vorher abmahnen müssen. Die Kündigung war somit vom Tisch.

Auch Bagatelldelikte können Kündigungsgrund sein

Doch Vorsicht: Grundsätzlich kann auch ein Diebstahl von nur wenigen Cent ein Kündigungsgrund sein. Denn dann geht es dabei nicht unbedingt um den Streitwert, sondern um das Vertrauen, dass ein Arbeitgeber in seinen Arbeitnehmer hat. Und dann kann eine Kündigung sehr wohl durchgesetzt werden, auch wenn es sich eigentlich nur um eine Bagatelle handelte.

Wie geht die Geschichte weiter?

Der IT-Experte will trotz des Streits mit seinem Arbeitgeber in der Firma weiterarbeiten. Wie andere muss allerdings auch er aufpassen. Denn anscheinende Selbstverständlichkeiten wie das Handy-Aufladen kann im Konfliktfall ein Kündigungsgrund sei. Es sei denn, der Arbeitgeber hat solche Dinge ausdrücklich - und am besten noch schriftlich - erlaubt.    

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm, Urteil vom 02. September 2010, Az.: 16 Sa260/10

Steckdose

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