Oh du schöner, leerer Pannenstreifen

Mittwoch, 29.07.2015 DOD

Ferienzeit ist Stauzeit. Da kann man schon mal sehnsüchtig auf den leeren Standstreifen auf der Autobahn schielen. Und die Versuchung wächst von Minute zu Minute. Vielleicht doch rechts überholen? Die nächste Autobahnausfahrt kommt doch gleich schon da hinten… Doch Vorsicht: Das ist sehr gefährlich kann außerdem richtig teuer werden!

Stau gehört nicht zu den Dingen im Leben, die man unbedingt braucht. Doch auch da gilt es eben Regeln einzuhalten. Schnell auf den Standstreifen gefahren und die nächste Autobahnausfahrt rauszufahren kann ansonsten nämlich schnell einmal 75 Euro und zwei Punkte in Flensburg kosten. Wer außerdem dabei noch andere gefährdet, zahlt bis zu 110 Euro.

Standstreifen sind keine Einfädelungsspur

Das zeigt ein konkreter Fall: Ein Autofahrer hatte den Standstreifen als „verlängerte Beschleunigungsspur“ genutzt. Dabei übersah er allerdings ein Wartungsfahrzeug der Autobahnmeisterei mit Warnbeleuchtung, das gerade zurücksetzte. Es  kam zum Unfall. Doch anstatt Besserung zu geloben, verklagte der Fahrer das Land auch noch auf Schadensersatz. Schließlich „sei das Wartungsfahrzeug ja auf dem Seitenstreifen der Autobahn rückwärts gefahren“. Die Klage wurde jedoch abgewiesen. Straßenwartungsfahrzeugen - so die Richter des Landgerichts Gießen - sei es nämlich erlaubt, den Standstreifen zu benutzen. Im Übrigen dürften sie auf dem Standstreifen auch rückwärtsfahren.

Sind Pinkelpausen auf dem Standstreifen erlaubt?

Als Erwachsener und gesunder Mensch mag man es ja noch hinbekommen, die nächste Ausfahrt oder Toilette abzuwarten. Aber was ist, wenn man Kinder dabei hat? Da kann dann schon mal ganz leicht Panik bei den Eltern aufkommen und es wird kurzerhand auf dem Standstreifen gehalten. Doch Stopp: Das ist eine ganz schlechte Idee!

Teure „Toilette“

Denn hier kommen zwei Gesetzesverstöße zusammen: „Wildpinkeln“ und das „Halten auf dem Pannenstreifen“. Bedeutet im Klartext, dass man schnell einmal mehr als 1000 Euro los werden kann - zusätzlich zu den zwei Punkten in Flensburg! Also liebe Eltern: Kinder bis zur nächsten Ausfahrt ablenken oder Kindersitz beziehungsweise Kleidung später waschen, wenn doch etwas in die Hose gegangen ist. Ist einfach immer noch billiger, als erwischt zu werden. Und außerdem erheblich sicherer. Das gleiche gilt übrigens auch, wenn es einem Insassen  schlecht wird – es sei denn, man ist der Fahrer! Dann geht es eben nicht anders.

Niemals die Fahrbahn betreten!

Auf dem Pannenstreifen darf grundsätzlich überhaupt nur angehalten werden, wenn ein technisches Problem oder ein wirklicher Notfall vorliegt. Und wer dann aussteigt, muss eine gut sichtbare Warnweste tragen. Sie gehört zur Pflichtausstattung im Auto. Und ganz wichtig: Niemals die Fahrbahn betreten, immer hinter der Leitplanke bleiben. Ein Warndreieck muss man dabei übrigens nicht zwingend aufstellen, aber das Warnblinklicht am Auto einzuschalten ist Pflicht!

Darf der Pannenstreifen überhaupt befahren werden?

Es gibt Situationen, da gibt die Polizei kurzfristig die Erlaubnis, den Standstreifen mitzubenutzen. Ansonsten gilt: Nur für die Bildung einer Rettungsgasse darf der Seitenstreifen befahren werden. Und niemand sollte auf die Idee kommen, hinter dem Einsatzfahrzeug mit Blaulicht hinterherzufahren. Denn das wird dann richtig teuer, und dem Führerschein kann man erst einmal Adieu sagen…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Gießen, Urteil vom 4. Juni 2003, Aktenzeichen: 1 S 38/03

Straßenverkehrsordnung (StVO), Paragraph 2, Absatz 1; Paragraph 2, Absatz 1 Nr. 3 und Paragraph 18, Absatz 8

Autostau

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