Schwere Kindesmisshandlung: Haft für den „Guru von Lonnerstadt“

Sonntag, 09.08.2015 MLK

Die „Freiheit des Willens“ von Eltern hat Grenzen. Die fangen nämlich da an, wo sie dem Wohl des Kindes schaden. Für einen 12-Jährigen Buben kam diese Richtlinie allerdings fast zu spät…

Die Mutter des Jungen und ihr Lebensgefährte, der selbsternannte „Guru von Lonnerstadt“, hielten es für besser, das an Mukoviszidose erkrankte Kind nicht mithilfe der Schuldmedizin, sondern mit Meditation und Fasten zu behandeln.

Heilung mit 18 versprochen

Zwar fragte der Lebensgefährte den Jungen, ob er damit einverstanden sei, versprach ihm aber auch gleichzeitig auf diesem Wege eine Heilung bis zu seinem 18. Geburtstag. Das kranke Kind stimmte daraufhin zu - eine Entscheidung, deren Folgen der 12-Jährige auf Grund seines Alters natürlich noch nicht abschätzen konnte.

Auf 28 Kilo abgemagert

Durch Meditation und Fasten alleine verbesserte sich der Krankheitszustand des Jungen allerdings nicht. Im Gegenteil: Ohne ärztliche Betreuung verschlechterte sich der Zustand des Kindes dramatisch. Nach drei Jahren ohne Behandlung konnte der mittlerweile 15-Jährige, dem die Verschlechterung nun durchaus bewusst wurde, zu seinem leiblichen Vater fliehen. Seine Lunge war aber zu diesem Zeitpunkt bereits irreparabel beschädigt. Das Landgericht Nürnberg verurteilte darauf die Mutter und ihren Lebensgefährten zu jeweils drei Jahre Haft, was die beiden allerdings nicht akzeptieren wollten.

BGH bestätigt Urteil

Der BGH bestätigte allerdings nun die 3-jährige Haftstrafe, denn die Richter entschieden ebenso auf „schuldig wegen Misshandlung eines schwer kranken Kindes“. Da half auch das Schlusswort des Angeklagten nichts, nämlich "dass es viele Dinge zwischen Himmel und Erde gebe, die Menschen nicht verstehen könnten. So hätte sich der schwer angeschlagene Körper des Jungen auch wieder selbst regenerieren können“. Eine doch sehr optimistische Einstellung bei einer nur noch 30-prozentigen Lungenfunktion des Kindes…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

BGH Urt. v. 4.8.2015, 1 StR 624/14

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