Wie wird bei einer Massenkarambolage die Schuldfrage geklärt?

Mittwoch, 20.01.2016 PK

Neujahrsmorgen, Autobahn 33 Paderborn: Insgesamt 24 Autos krachen ineinander – allesamt Schrott, zudem sind zahlreiche Menschen verletzt. Am Ende stellt sich die Frage, wer die Schäden an den einzelnen Fahrzeugen begleicht. Hat etwa der Letzte allein Schuld? Oder der Erste? Nein, denn bei einem Massencrash rechnen die Versicherungen nach einem neuen Schema ab...

Zum Glück kommen solche Massenunfälle nicht allzu häufig vor. Aber falls doch, zum Beispiel bei Glatteis, Nebel oder dichtem Schneetreiben, wird es jedes Mal richtig teuer. Und schwierig, den jeweils Schuldigen herauszufinden, der das Auto vor ihm entweder zusammengeschoben hat oder womöglich schuldlos durch den Hintermann draufgeschoben wurde. Die Versicherungen haben sich deshalb geeinigt, eine für Autobesitzer vorteilhafte Lösung zu finden.

Schadensersatz ohne Abzüge

Die müssen sich nämlich über die Schadensregulierung keine Sorgen mehr machen, sagt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Seit Mitte 2015 gilt diese Regelung: Sowohl der Fahrer wie auch die Insassen des jeweiligen Autos richten ihre Schadensersatzforderung direkt an den eigenen Haftpflichtversicherer. Das Besondere daran: Auch wenn keine Kaskoversicherung besteht, werden in solchen Fällen sämtliche Personen- und Sachschäden in voller Höhe übernommen. Also auch, wenn zum Beispiel nur die Wagenfront eingedrückt ist – oder nur das Heck. Und auch der Schadenfreiheitsrabatt steigt nicht, wenn die Karambolage als Massenunfall anerkannt wurde.

Wann liegt denn ein Massenunfall vor?

Also hat die Sache doch einen Haken? Einen kleinen – denn es müssen drei Kriterien erfüllt sein:

• Es darf keinen identifizierbaren Unfallverursacher geben.

Mindestens 40 Fahrzeuge müssen beteiligt sein. Ist der Unfallhergang nur schwer nachvollziehbar, etwa wegen der Witterungsverhältnisse, genügen im Ausnahmefall auch 20 Fahrzeuge.

• Es besteht ein enger räumlicher und zeitlicher Zusammenhang bei dem Unfallgeschehen. 

Die Entscheidung darüber, ob ein Massenunfall im Sinne dieser neuen Regel vorliegt, entscheidet ein Gremium des GDV. Grundlage dafür sind die Polizei-Berichte.

Autounfall auf Autobahn

Weitere Artikel

Kommentare