Herzstillstand auf dem OP-Tisch - und kein Anästhesist war da

Donnerstag, 21.05.2015 BJ

Unglaublich, aber wahr:

Ein Berliner Schönheitschirurg klärt seine 49-jährige Patientin vor der Operation in seiner Praxis nicht ausreichend auf und verzichtet dann auch noch während der mehrstündigen Operation auf die Hinzuziehung eines Anästhesisten!

Im Laufe der Operation erlitt die Patientin dann einen Herzstillstand. Zwar führte der Chirurg zunächst erfolgreich Wiederbelebungsmaßnahmen durch, wies die ohnmächtige Frau aber erst mehrere Stunden später in eine Klinik ein. Dort starb sie dann schließlich.

Der lange Weg zur Gerechtigkeit

Der Arzt fühlte sich zunächst im Recht. Er habe ein Patientengespräch geführt, und seine Patientin hätte darauf dem Eingriff zugestimmt. Das Landgericht Berlin stellte aber fest, dass die Einwilligung der Patientin in die durchgeführte Schönheitsoperation unwirksam war, da sie über die Anwesenheit und unbedingte Notwendigkeit eines Anästhesisten getäuscht worden war und verurteilte den Arzt zu „ einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten sowie einem vierjährigen Berufsverbot wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit versuchtem Totschlag“.

Der Arzt jedoch legte Revision ein.

Revision, Revision, Zurückweisung, Revision...

Was nun folgte, lässt ahnen, warum manche Dinge Jahre dauern:

Infolge der eingelegten Revision verurteilte das Landgericht ihn schließlich wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit versuchtem Mord durch Unterlassen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten sowie einem fünfjährigen Berufsverbot. Auf erneute Revision des Angeklagten änderte der Senat des Bundesgerichtshofs den Schuldspruch dahingehend ab, dass der Angeklagte allein der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig sei. Nach erneuter Zurückverweisung an eine Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts wurde schließlich auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten in Verbindung mit einem vierjährigen Berufsverbot erkannt. Doch auch dieses Urteil wurde angefochten.

Bundesgerichtshof Karlsruhe: Dritte Entscheidung des Landgerichts Berlin nun rechtmäßig

Schlussendlich bestätigte der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs diese Entscheidung und verwarf die erneute Revision des Angeklagten als unbegründet. Das Urteil des Landgerichts Berlin ist damit rechtskräftig. 

Die meisten Wege führen nach Rom. Auch wenn es manchmal etwas länger dauert.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

vgl. BGH, Beschl. v. 10.März 2014 – 5 StR 51/14

§§ 227, 212, 211, 22, 23, 70 StGB

Ärzte bei einer Operation im Krankenhaus

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