Die Tabelle der Schmerzen

Freitag, 23.01.2015 DLK

Vor einiger Zeit sprach das Oberlandesgericht Oldenburg einem Mann, der seit einem Streit mit einem Arbeitskollegen im Wachkoma liegt, ein Schmerzensgeld in Höhe von 500.000 Euro zu. Die Richter begründeten diese hohe Summe damit, dass "eine schlimmere Gesundheitsschädigung kaum vorstellbar sei". Doch wie wird solch ein Schaden überhaupt bemessen? Wer entscheidet, was "Schmerz" kostet?

Jeder Fall, jede Verletzung, jedes daraus resultierende Schicksal ist anders zu bewerten. Deshalb gibt es bei der Bestimmung eines Schmerzensgeldes keine allgemein gültige Rechtsprechung. Dennoch gibt es Anhaltspunkte, an denen sich die Richter im Falle eines Falles normalerweise orientieren:

(Quelle: Die Lücke im Gesetz, Riva-Verlag)

Die Schmerzensgeldtabelle im Überblick:

Schädelprellung durch Faustschlag 1.000,- €

Handgelenkfraktur 1.250,- €

Hundebisswunde Knie und Oberschenkel 2.000,- €

Leichte Gehirnerschütterung und Verlust von zwei Zähnen 2.000,- €

Fraktur der neunten Rippe und Pneumothorax 3.000,- €

Leichte Gehirnquetschung mit Verlust des Geruchssinns 5.500,- € 

Verlust eines Hodens ohne Beeinträchtigung der Zeugungsfähigkeit 10.000,- €

Sexueller Missbrauch über zwei Jahre 12.000,- €

Amputation des rechten Mittelfingers 15.000,- €

Erblindung des rechten Auges nach Körperverletzung 15.000,- €

Verlust von vier Fingern an linker Hand unter Todesangst 20.000,- €

Verlust der linken Ohrmuschel durch Abriss 20.000,- €

Amputation des linken Unterschenkels 30.000,- € bis 40.000,- €

Verlust von Milz und Gallenblase, zahlreiche Frakturen 30.000,- €

Brutale Vergewaltigung 40.000,- €

Amputation des linken Oberschenkels nach ärztlichem Behandlungsfehler 47.500,- €

Risswunden an Vorhaut und Penis, beide Hoden von Hund abgebissen 50.000,- €

Verlust der Gebärmutter nach ärztlichem Behandlungsfehler 50.000,- €

Nahezu völlige Erblindung eines Kleinkindes durch Schütteltrauma 75.000,- €

Abriss des rechten Arms, des Schlüsselbeins und Schultereckgelenks sowie Ober- und Unterschenkelfraktur, zudem Kreuzbandriss im Knie 70.000,- € + 200,- € monatliche Rente

Querschnittslähmung unterhalb des siebten Brustwirbels nach Rückenmarksabriss 85.000,- €

Schwere Schädel- und Hirnverletzungen – Kläger wird nie mehr als über das Niveau eines 10-Jährigen verfügen 150.000,- €

Querschnittslähmung nach Wirbelsäulen-OP – schwerer Pflegefall nach ärztlichem Behandlungsfehler 300.000,- €

Wir hoffen, dass Ihnen persönliche Erfahrungen mit der Schmerzensgeldtabelle erspart bleiben. Um an Geld zu kommen, schauen Sie sich doch lieber die Tipps von Ingo Lenßen zum Thema Sparen an.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

OLG Oldenburg, Az. 12 U 50/40

Amputierter Finger

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