Schmerzensgeld wegen HIV-Infektion

Mittwoch, 18.05.2016 PK

Weil er sich trotz eindringlicher Bitte seiner Freundin nicht auf eine HIV-Infektion hat testen lassen, steht ein Mann jetzt vor Gericht. Denn tatsächlich hat er sie mit dem gefährlichen Virus infiziert. Und dafür muss er nun 115.000 Euro Schmerzensgeld zahlen…

Schon jetzt betonte das Gericht allerdings, dass diese Summe nicht das Ende seiner Zahlungsverpflichtungen sein wird – die 115.000 Euro beziehen sich lediglich auf die bisher eingetretenen Schäden. Das bedeutet: Sollte sich der Verlauf der Immunschwächekrankheit bei der Frau verschlimmern, muss der Mann weitere Schmerzensgeldzahlungen aufbringen.

Ungeschützter Sex ohne Aids-Test

Das Gericht ging in diesem Fall davon aus, dass der Mann nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig gehandelt hat, als er sich zwar vom einem Urologen durchchecken ließ, aber verschwieg, dass er keinen Aids-Test hatte vornehmen lassen. Die betroffene Frau hatte aber genau darauf bestanden, da sie wegen einer Allergie keinen Sex mit Kondomen haben konnte.

Ein einziges Mal reicht

Nur dreimal schliefen die beiden miteinander. Dann bekam die Frau starke Blutungen, Schmerzen, Brechdurchfall und hohes Fieber. In der Klinik, wo sie fast an einem Multiorganversagen gestorben wäre, stellten die Ärzte schließlich die HIV-Infektion bei ihr fest. Sie verklagte darauf den Mann mit dem Hauptargument: „Hätte sie von seiner Infektion gewusst, wäre sie nie mit ihm intim geworden.“ Vor Gericht hielt ihr der Mann entgegen, er hätte von seiner Infektion erst viel später erfahren. Überdies zog er in Zweifel, der Überträger des Virus gewesen zu sein, weil die Frau über Internetportale immer wieder neue Partner gesucht habe.

Richter sind sich 100-prozentig sicher

Geholfen hat es ihm nicht. Das Gericht konnte mit Hilfe eines Gutachters den Mann mit nahezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit als Überträger identifizieren. Dem Experten gelang es sogar, den Infektionszeitpunkt auf die fraglichen Tage im August und September 2012 einzugrenzen.

Schon eine Grippe kann den Tod bedeuten

Das Gericht stellte abschließend fest, dass die Klägerin den ungeschützten Verkehr nur vollzogen habe, „weil sie von einem negativen HIV-Test ihres Partners ausgegangen sei“. Mit seiner Täuschung darüber hat der Mann seine Sorgfaltspflicht schuldhaft verletzt, indem er die Frau zu ungeschütztem Verkehr verleitet hat. Und weil niemand weiß, wie sich die Krankheit entwickelt, ist das bisher zugesprochene Schmerzensgeld vorläufig. Schließlich muss die Frau mit dem Bewusstsein leben, irgendwann an Aids zu sterben – denn schon eine simple Grippe kann den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht München I – 23 O 14459/14 (noch nicht rechtskräftig)

Viren und Blutkörperchen in 3D

Weitere Artikel

Kommentare