Wenn der Polizeihund kraftvoll zubeißt

Montag, 10.08.2015 DOD

Ein 14-Jähriger war mit Freunden unterwegs, als plötzlich die Polizei vorfuhr. Da die Jugendlichen vorher verbotener maßen Alkohol getrunken hatten, rannten sie weg. Das hätten sie lieber nicht machen sollen, denn die Beamten hetzten den mitgeführten Polizeihund hinter ihnen her…

Die Polizei fahndete zu dem Zeitpunkt in einem Stadtpark in Freiburg nach dem Täter eines kurz zuvor begangenen Raubüberfalls. Die Jugendlichen, die offensichtlich betrunken waren, sollten deswegen kontrolliert werden. Doch als sie wegrannten, ließen die Beamten kurzerhand den Polizeihund auf die Kinder los, der hinter den Buben herrannte und sich schließlich in den 14-Jährigen verbiss. Der Junge wurde mehrfach in beide Unterarme, den rechten Oberarm, in beide Beine und den Rücken gebissen. Er konnte mehrere Tage seine Hände nicht benutzen und seine Wunden mussten über Wochen hinweg ärztlich versorgt werden. Deswegen klagte er - vertreten durch seine Eltern - gegen das Land Baden-Württemberg.  

2.500 Euro für den 14-Jährigen

Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe gab dem Jugendlichen nun Recht und verurteilte das Land zur Zahlung von 2.500 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld, da es den Einsatz des Polizeihundes als „rechtswidrig“ wertete. Damit folgte es einem Urteil aus erster Instanz des Landgerichts Freiburg. Dieses hatte dem Jungen nämlich ebenfalls bereits Recht gegeben, das Land hatte sich aber gegen dieses Urteil gewehrt.

Ein Biss hätte gereicht, sagt das Gericht

Für die Vielzahl der Bissverletzungen, die der Jugendliche erlitten hatte, gebe es keinen nachvollziehbaren Grund“, so die Richter des OLG. Das Ausmaß der Verletzungen sei unverhältnismäßig. Der Hundeführer müsse einen Vierbeiner jederzeit im Griff haben und müsse dafür sorgen, dass es bei einem Biss zur Festnahme bliebe und ein willkürliches Beißen ausgeschlossen sei. Dies sei in der konkreten Situation nicht der Fall gewesen. Das Land muss deswegen dem 14-Jährigen das Schmerzensgeld zahlen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe, Urteil vom 18. Juni 2015, Aktenzeichen: Az.: 9 U 23/14

Schäferhund

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