Schmerzensgeld für Stuhl wegziehen

Samstag, 18.07.2015 DOD

Ein 15-Jähriger hat seinen Mitschüler auf Schmerzensgeld verklagt, weil der ihm den Stuhl weggezogen hat. Der Junge fiel dabei so unglücklich zu Boden, dass er drei Tage im Krankenhaus verbringen musste…

Es gibt Streiche in der Schule, die sind in jeder Generation ein Renner. Zahnpasta auf der Türklinke oder ein verstecktes Klassenbuch gehören da noch zu der harmlosen Sorte. Beim Wegziehen des Stuhls sieht es allerdings schon anders aus. Vor allem, wenn sich jemand dabei verletzt.

Erst Steißbein, dann Hinterkopf

Denn ungefährlich ist der Streich nicht, wie der Fall eines Schülers in Hannover zeigt: der Neuntklässler, dem ein Klassenkamerad den Stuhl wegzog, fiel erst aufs Steißbein und dann auf den Hinterkopf. Danach konnte er nicht mehr aufstehen. Und da er an der sogenannten „Bluterkrankheit“ leidet - einer Erbkrankheit, bei der die Blutgerinnung gestört ist - wurde er für drei Tage in der Klinik stationär behandelt. Aber damit war es noch längst nicht getan: in den Wochen darauf konnte der 15-Jährige nur stehen oder liegen und musste sogar den geplanten Osterurlaub absagen. Denn sitzen oder längeres Gehen war wegen der gesundheitlichen Einschränkung schlicht nicht mehr möglich.

Absicht oder blöder Streich

Jetzt ist der Fall vor Gericht. Der Junge verlangt aktuell 1.500 Euro Schmerzensgeld, doch er wird im Zweifel nur dann eine Chance haben, an sein Geld zu kommen, wenn der andere Schüler vorsätzlich gehandelt haben sollte…

Ein Leben lang zahlen für dumme Streiche?

Normalerweise springt die gesetzliche Unfallversicherung nach solchen „Streichen“ ein, damit Schüler im schlimmsten Fall nicht ein Leben lang für solche Dummheiten zahlen müssen. Doch entschieden werden muss jeder Fall einzeln, und oft gehen die Opfer leer aus… Wie auch immer: das Urteil wird in Kürze vom Amtsgericht Hannover gefällt. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Amtsgericht Hannover, Aktenzeichen: 465 C 15083/14

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