Nach der Scheidung: Wer zahlt die Nachhilfe?

Freitag, 10.07.2015 DOD

Auch wenn beide Eltern nach einer Scheidung das Sorgerecht haben: Wer der Alleinerziehende ist, kann auch alleine entscheiden, ob die Kinder Nachhilfeunterricht bekommen sollen oder nicht. Der unterhaltspflichtige Elternteil muss dann die Kosten mittragen, auch wenn er anderer Meinung ist…

Nach der Scheidung ihrer Eltern lebten die beiden Kinder bei der Mutter. Das Sorgerecht hatten aber nach wie vor beide Elternteile. Als beim jüngeren Sohn die Noten in Englisch schlechter wurde, meldete die Mutter ihn deshalb bei einer professionellen Nachhilfe an. Die Hälfte der Kosten sollte darauf der unterhaltspflichtige Vater übernehmen – zusätzlich zum Kindesunterhalt. Doch der weigerte sich.

Vater wollte selber „nachhelfen“

132 Euro kostete der professionelle Nachhilfeunterricht im Monat, die der Vater nicht mittragen wollte. Sein Argument: Er selbst oder seine neue Lebensgefährtin hätten ja problemlos selber Nachhilfe geben können– kostenlos, versteht sich. Aber er sei dazu gar nicht gefragt worden.

Nachhilfe gehört zum täglichen Leben

Die Richter am Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf stellten sich allerdings auf die Seite der Frau: Auch ohne das Einverständnis des Vaters durfte sie den Sohn bei der Nachhilfe anmelden. Denn „zum einen sei eine professionelle Nachhilfe effektiver, als mit Eltern zu lernen, zum anderen handele es sich bei Nachhilfe um eine  sogenannte „Angelegenheit des täglichen Lebens““. Und über Angelegenheiten des täglichen Lebens könne derjenige Elternteil entscheiden, bei dem sich das Kind aufhält. Zahlen dafür müssen dann beide. Der Vater muss sich also in Zukunft – nach Verrechnung mit dem Unterhaltsgeld -  mit rund 50 Euro im Monat finanziell an der Nachhilfe für den Sohn beteiligen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Düsseldorf, Urteil vom 08. Juli 2005, Aktenzeichen: II-3 UF 21/05

Nachhilfeunterricht

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