Altersruhesitz: Wenn der Nachbar ständig trappelt…

Dienstag, 10.03.2015 PK

Mit dieser Frage musste sich tatsächlich der Bundesgerichtshof auseinandersetzen: Darf man einfach so einen vorhandenen Teppichboden aus der Wohnung herausreißen und gegen Parkettboden ersetzen? Denn Parkett verursacht im Zweifel nun einmal viel mehr Trittschall als ein Teppich…

Ein klein wenig Mitgefühl schwingt schon mit: Immerhin geht es um das „Maritim“-Hochhaus in Travemünde mit Traumblick über die Ostsee, das sich viele Wohnungseigentümer und Mieter eines der 320 Appartements als Altersruhesitz ausgesucht haben. Da mag es schon stören, wenn man den Nachbarn ständig trappeln hört. So erging es einem Rentner-Ehepaar, das dann auch energisch vom Bewohner über ihm verlangte, den gerade erst neu verlegten Parkettboden wieder gegen einen Teppich auszutauschen. 

Was vor 40 Jahren galt, zählt nicht mehr

Die Kläger hatten darauf gepocht, dass bei der Errichtung des Hochhauses in den 1970er Jahren ausdrücklich mit dem hohen Komfort und dem leisen Teppichboden geworben worden war. Für die Richter eine etwas überholte Ansicht. Denn im selben Haus gibt es bereits über 50 Appartements, in denen der ursprüngliche Bodenbelag gegen Fliesen, Laminat oder Parkett ausgetauscht wurde. Und „die könne man ja nicht auch noch zwingen, den Urzustand wieder herzustellen“.

Lärmbelästigung ist zumutbar

Also entschied schlussendlich der Bundesgerichtshof: „Ein Wohnungsinhaber muss es hinnehmen, wenn der Nachbar über ihm Parkett einbaut, auch wenn es dadurch lauter wird“. Das hatte auch schon die Vorinstanz festgestellt, da die Lärmbelästigung unterhalb von 63 Dezibel lag und damit zumutbar war.

Der Urzustand darf verändert werden

Damit traf der BGH eine lebensnahe Entscheidung: Die Erstausstattung eines Gebäudes ist nicht maßgebend und muss keineswegs für dessen gesamte Lebensdauer erhalten bleiben. Denn womöglich war der Teppich damals nur deshalb verlegt worden, weil man ihn in den 70ern für besonders schick hielt. Vielleicht war er aber auch nur die kostengünstigste Lösung gewesen.

Trotzdem: Das Landgericht Hamburg untersagte einer Mieterin, in der Wohnung hochhackige Schuhe zu tragen, da dies eine „unzumutbare Lärmbelästigung“ für die Nachbarn sei…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

 BGH, Urteil vom 27. Februar 2015:  V ZR 73/14

Vorinstanzen: AG Lübeck, Urteil vom 1. August 2012: 35 C 58/11; LG Itzehoe, Urteil vom 18. März 2014: 11 S 101/12

LG Hamburg: 316 S 14/09

Ehepaar auf Fußboden

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