REWE-Praktikantin bekommt 17.000 Euro Lohnnachzahlung

Dienstag, 12.05.2015 BJ

Sie glauben, die Leibeigenschaft sei ein Relikt aus dem Mittelalter? Nun, manchmal könnten einem da echte Zweifel kommen….

Eine 19-jährige bewarb sich in einem REWE-Markt in Bochum für ein Praktikum als Verkäuferin. Die Freude über die Zusage währte jedoch nur kurz. Monat für Monat wurde das Schnupperpraktikum verlängert, stets mit dem Versprechen, den begehrten Ausbildungsplatz umgehend zu bekommen. Erst nach vier Monaten unbezahlter Arbeit kam es dann endlich zur Unterzeichnung des Ausbildungsvertrages. Jedoch sollte die Ausbildung nicht sofort beginnen, sondern die 19-jährige hätte noch ca. ein Jahr unentgeltlich weiter im REWE-Markt arbeiten müssen. 

Aus Angst, den versprochenen Ausbildungsplatz wieder zu verlieren, arbeitete die junge Frau fleißig und voller Hoffnung weiter. Nach insgesamt 1728 Stunden ohne Bezahlung wurde es dann aber selbst ihr zuviel, und sie entschied sich, den Gerichtsweg zu beschreiten und verklagte den REWE-Markt auf Zahlung von über 17.000 €.

Arbeit, Ausbildung, Ausbeutung…

Das Amtsgericht Bochum stellte anhand sorgfältig geführter Aufzeichnungen der Klägerin fest, dass diese eine reguläre Arbeitsleistung erbracht hatte, die weit über die Anforderungen eines reinen Praktikums ging, indem sie kassierte, Regale aufgefüllt und das Lager sortiert hatte . Die erbrachten Leistungen entsprachen exakt denen der anderen festangestellten Mitarbeiter im Betrieb. Hieraus ergab sich folgerichtig auch eine Pflicht zur Lohnzahlung. 

…aber Achtung:

Ein Praktikum dient dem Sammeln von Erfahrungen, deshalb kann in vielen Fällen auch ein unbezahltes Praktikum Gold wert sein. Sobald aber ein Unternehmen diese Situation dahingehend ausnutzt, um Praktikanten überwiegend als kostenlose Arbeitskräfte zu missbrauchen, sollte man sich zur Wehr setzen. Der erste Schritt dazu ist eine detaillierte Aufzeichnungen über die Art und Dauer der Tätigkeiten anzufertigen. Mit dieser Grundlage kann ein späterer Prozess durchaus erfolgsversprechend sein…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

vgl. Amtsgericht Bochum, Urt. vom 25.03.2014 – 2 Ca 1482/13

§ 17 BBiG, §§ 611 ff. BGB

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