Auch Staatsanwälte müssen arbeiten  

Montag, 18.04.2016 DOD

Verdrehte Welt: Vor dem Freiburger Landgericht stand vor Kurzem ein Staatsanwalt – diesmal allerdings nicht als Ankläger, sondern als Angeklagter! Denn dem Mann wurde vorgeworfen, er hätte Akten liegen lassen und Ermittlungsverfahren absichtlich nicht zu Ende geführt - mit verheerenden Folgen…

So kamen diverse Straftäter, deren Schuld zweifelsfrei belegt war und die gegenüber Ermittlern sogar gestanden hatten, deshalb ungeschoren davon - ihre Taten waren verjährt, und sie konnten nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Der für diese Fälle zuständig Staatsanwalt hatte die Akten einfach nicht bearbeitet! Dabei ging es darin um alles andere als Kavaliersdelikte: Betrug, versuchter Totschlag, Körperverletzung und sexuellen Missbrauch war unter anderem den Tätern zur Last gelegt worden.

Akten absichtlich liegen gelassen

Der Staatsanwalt räumte die Vorwürfe ein, sah sich jedoch selber als Opfer: Er sei überlastet gewesen. Die Aufgabe, die der Staat ihm mit dem Amt übertragen habe, hätte er deshalb nicht erfüllen können. 

Der Beamtenstatus ist weg

Doch damit kam der Mann nicht weit. Das Gericht verurteilte ihn wegen Rechtsbeugung und Strafvereitelung im Amt in mehreren Fällen. Das Urteil: ein Jahr und vier Monate Haft auf Bewährung. Seinen Job als Staatsanwalt darf der Jurist nun nicht mehr ausüben. Zudem werden ihm der Beamtenstatus aberkannt und ein Großteil seiner Pensionsansprüche gekürzt. Seine Juristenkarriere ist damit, nach rund 25 Jahren im Job, beendet.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Freiburg, Urteil vom 25. Februar 2016, Aktenzeichen: 2 KLs 270 Js 21058/12

Ungeordnete Aktenstapel

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