Vorsicht: Rechtliche Tücken im Nebenjob

Mittwoch, 17.06.2015 PK

Gehaltserhöhung gibt es keine, auf dem Konto herrscht Ebbe – da könnte doch ein Nebenjob genau das Richtige sein, um das Einkommen ein wenig aufzubessern. Als Kellner vielleicht, oder als Kassierer an der Tanke. Aber ist das überhaupt zulässig?

Immerhin 8,5 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland machen einen Zweitjob – das ergibt sich aus der Statistik der Arbeitsagentur. Doch Achtung: wer sein Einkommen mit zusätzlicher Arbeit aufbessern will oder muss, braucht in der Regel die Zustimmung seines Chefs im Hauptjob!

Besser nur mit klarer Ansage

Denn wer seinen Nebenjob ohne die Erlaubnis des Chefs ausübt, geht ein hohes Risiko ein. Sollte ein heimlicher Nebenjob nämlich herauskommen, droht in vielen Fällen eine Abmahnung, im schlimmsten Fall sogar die Kündigung. Deshalb mein Tipp: Lassen Sie sich den Nebenjob auf jeden Fall schriftlich genehmigen! 

Der Nebenjob ist quasi ein Grundrecht 

Generell haben Sie zwar das gesetzlich verbriefte Recht, nebenbei in einem Zweitjob zu arbeiten. Das gilt sogar dann, wenn in Ihrem Hauptarbeitsvertrag eine Klausel wie diese steht: „Während der Dauer des Arbeitsverhältnisses ist jede Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber untersagt.“ Denn solche allumfassenden Klauseln sind unwirksam, sagt das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz. 

Überlastungen sind untersagt

Dennoch gibt es Einschränkungen. Denn kein Arbeitgeber muss es dulden, dass seine Angestellten bei der Konkurrenz arbeiten oder gar in einem selbstständig ausgeübten Nebenjob dem Chef Konkurrenz machen. Eine weitere wichtige Einschränkung ist: Man darf sich natürlich nicht derart verausgaben, dass einem im Hauptjob die Augen zufallen. Was das Gesetz außerdem verbietet: Die Arbeitszeiten aller Arbeitsverhältnisse zusammen dürfen regelmäßig 10 Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich nicht überschreiten. Ein Verstoß gegen diese Regel kann ansonsten durchaus ein Kündigungsgrund sein.

Und was, wenn man sich verletzt? 

Bleibt die Frage, wie im Krankheitsfall verfahren wird. Dazu gibt es ein wichtiges Urteil des Landesarbeitsgerichtes Hamm: Wer im Nebenjob unverschuldet eine Verletzung erleidet und sich krankschreiben lassen muss, dem steht auch im Hauptjob eine Entgeltfortzahlung zu, unabhängig davon, ob der Chef etwas vom Nebenjob weiß oder nicht.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

LArbG Rheinland-Pfalz: 8 Sa 69/05

LArbG Hamm: 18 Sa 1083/05

Berufsfreiheit Artikel 12 Grundgesetz

Multitasking

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