Geisterradler im Recht

Montag, 11.05.2015 DOD

Es war ein Unfall, der leicht vermeidbar gewesen wäre: Ein Radfahrer fuhr als "Geisterfahrer" auf einem Radweg - also in entgegengesetzter Richtung. Eine Autofahrerin wollte rechts abbiegen - beide vertrauten auf ihre Vorfahrt. Am Ende ist der Radler tot. Selbst schuld, meint die Autofahrerin.

Die Fahrerin bremste nicht, weil sie meinte, Vorfahrt zu haben. Dasselbe dachte allerdings auch der Radler und vertraute darauf, dass das abbiegende Auto vor dem Radweg anhalten würde. Auto und Radfahrer stießen zusammen und der Radler starb. Da die Autofahrerin jedoch sämtliche Schuld von sich wies, klagten die Hinterbliebenen des Radfahrers und verlangten von der Autofahrerin 50.000 Euro, da sie meinten, dass der Rennradfahrer schon von weitem zu sehen gewesen sein müsste.

Autofahrer beim Abbiegen immer Schuld

Und sie bekamen Recht. Denn das Oberlandesgericht (OLG) Saarbrücken urteilte, dass der Mann trotz der falschen Radwegseite Vorfahrt gehabt hätte. Denn „einen Radfahrer trifft auch dann keine Schuld bei einem Unfall, wenn er auf der falschen Seite des Radwegs fährt. Ein Autofahrer ist damit auch dann voll verantwortlich für einen Unfall, wenn der Radfahrer – fälschlicherweise- von rechts kommt“! Die Frau, die sich vor Gericht gewehrt hatte, musste den Hinterbliebenen des beim Unfall getöteten Radfahrers deshalb den vollen Schadensersatz zahlen.

Trotzdem: Nutzen Sie als Radfahrer den Radweg nur in der vorgegebenen Richtung - zur eigenen Sicherheit!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Saarbrücken, Urteil vom 17. April 2014, Az.: 4 U 406/12

Fahrradunfall

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