Organisiertes Schwarzfahren dank Facebook und Co.

Freitag, 14.11.2014 HH

Fahrkarten-Kontrolleure. Fast aus dem Nichts stehen sie plötzlich in S-Bahn oder Zug und ziehen die Schwarzfahrer unerbittlich zur Verantwortung. Doch nun, im Zeitalter von Facebook und Twitter, kommen harte Zeiten auf unsere fleißigen Hüter von Recht und Ordnung zu.

Es war immer ein Abwägen für den Hamburger Bastian P., 33. Je nach Fahrzeit und Beliebtheit der Strecke verzichtete er gerne auf den Ticket-Kauf. Und fast immer ging das gut: „Immer, wenn ich es tat, musste ich zwar fast künstlich beatmet werden, aber der Triumph, 3,80.- € gespart zu haben, überwog jedes Mal. Außerdem lag meine Quote bei ungefähr 1:55. Und bei einer Strafhöhe von 40,- €  habe ich da meist einen guten Schnitt gemacht. Wenn die Kontrolleure kamen, konnte ich manchmal noch abhauen. Aber seit zwei Jahren sind sie immer zu zweit und beginnen mit den Kontrollen erst, wenn die Türen bereits geschlossen sind.“ Ein immer risikoreicheres Unterfangen für den Hamburger IT-Fachmann. Und dass man wegen Schwarzfahrens sogar ins Gefängnis kommen kann, sind sich die Wenigsten bewusst. (Lenßens Tipp: Kann ich wegen Schwarzfahrens auch ins Gefängnis kommen?)

Der modernen Kommunikation sei´s gedankt

Doch seit einiger Zeit hat sich sein Risiko, erwischt zu werden, dramatisch reduziert: Vor kurzem wurde er nämlich stolzes Mitglied der Hamburger „Schwarzfahren Gruppe“ auf Facebook. Dort posten sie Kontroll-Meldungen wie: „Zivile Kontrollen im Zweiertrupp S3 Harburg-Hauptbahnhof in beide Richtungen!“ Fast 25.000 Fans hat die Seite bereits, und sie sind den Kontrolleuren meist einen Schritt voraus. Mittlerweile gibt es diese Warn-Gemeinden bereits auch in Köln, Berlin, München, Frankfurt etc. 

Die Einen freut´s, die Anderen zahlen´s

Doch jedes Prozent Schwarzfahrten kostet den Verkehrsverbund Millionen von Euros. Ein Verlust, den er sich zurückholt. Durch Erhöhung der Fahrpreise. Aber das kann Bastian ja egal sein.

Fahrkarten-Scanner

Weitere Artikel

Kommentare