Ist der Maler weg, blättert die Farbe

Dienstag, 28.04.2015 DOD

Muss der Kunde eigentlich bezahlen, wenn eine Arbeit nicht ordentlich gemacht wurde? Und wie lange darf er dann das Geld zurückbehalten? Schlampig arbeitende Handwerker sorgen immer wieder für Stress - und beschäftigen Juristen und Gerichte…

„In diesem Frühling“, so dachte sich Erika P., „soll der Garten mal richtig neu gemacht werden“. Dazu gehörten dann allerdings nicht nur Pflanzen und Blumen - auch der in die Jahre gekommene Zaun sollte einen neuen Anstrich bekommen. Die Handwerker kamen auch pünktlich und nach zwei Tagen war der Zaun wieder weiß. Doch die Freude währt nur kurz. Denn bereits nach einer Woche blätterte die Farbe in großen Stücken ab.

Wie abhängig ist man eigentlich vom Handwerker?

„Klar, kein Problem“ sagte der Maler, „ich schicke jemanden vorbei“. Gekommen ist dann natürlich niemand, die Farbe vom Zaun blätterte weiter ab. Ein trauriges Bild. Eine Rechnung kam allerdings auch nicht. Frau P. wollte nun einen anderen Betrieb beauftragen. Aber wie lange hat der Handwerker Zeit, auszubessern? Und ab wann muss eine Rechnung nicht mehr bezahlt werden?

Auch Handwerker verdienen eine zweite Chance

Auftraggeber gehen immer wieder davon aus, dass sie im Falle einer mangelhaften Leistung generell nicht zahlen müssen und sofort eigenhändig Ersatz suchen können. Doch Vorsicht: Jeder Handwerker hat grundsätzlich das Recht auf eine "zweite Chance". Es gibt jedoch Ausnahmen: Wenn, wie im Fall von Frau P., der Handwerker die „Nacherfüllung“ verweigert, also einfach nicht mehr kommt, oder die Maler doch noch kommen, am Zaun aber auch nach dem zweiten Versuch immer noch die Farbe blättert. Dann muss sie nicht zahlen. Außerdem muss Frau P. dem Maler eine angemessene Frist einräumen, in der er die Ausbesserungen vornimmt. Erst wenn diese verstrichen ist, darf sie weitere Maßnahmen ergreifen, so zum Beispiel einen anderen Betrieb beauftragen.

Fotos und Fristen helfen beim Rechtsstreit

Diese Frist sollte unbedingt schriftlich vereinbart werden, am besten per Einschreiben mit Rückschein! Und Frau P. sollte auf jeden Fall Fotos von dem Schaden machen, falls es doch noch zu einem Rechtsstreit kommen sollte. Denn kommt die Rechnung vom „alten“ Handwerker dann doch noch ins Haus geflattert, darf sie nach Paragraph 641 III BGB mindestens doppelt soviel einbehalten, wie die Beseitigung des Schadens durch einen anderen Betrieb kosten wird!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 641 III

Kaputter Wandverputz

Weitere Artikel

Kommentare