Muss mein Kind mit auf Klassenfahrt?

Dienstag, 19.05.2015 PK

Spätestens nach Pfingsten geht’s wieder los: Die allseits beliebten Klassenfahrten. An die Nordsee, in den Harz oder in den Teuteburger Wald mit Bus oder Bahn: solche Klassenreisen sind ja für die Eltern meist gerade noch finanziell zu wuppen. Was aber ist, wenn das Ziel weitaus „exotischer“ - und dadurch natürlich ungleich teurer - ist? Eltern von mehreren Kindern geraten da ganz schnell unter Druck…

Stellt sich zunächst die Frage: „Muss mein Kind mit, oder kann ich es von der Klassenreise freistellen lassen“? Generell gilt: Klassenfahrten sind Schulveranstaltungen im Sinne der Schulordnungen (in jedem Bundesland unterschiedlich gegliedert). Doch es können natürlich durchaus Gründe vorliegen, nicht daran teilzunehmen. Dazu dürfte etwa eine chronische Krankheit, die permanente Fürsorge erfordert, gehören. Einfach nur keine Lust zu haben zählt aber ebenso wenig als Verweigerungsgrund wie z. B. religiöse Bedenken (hier: streng christliche Eltern, OVG Bremen: 1 A 275/10). Eltern, die ihre Kinder ohne Begründung nicht mitfahren lassen, droht sogar ein Ordnungsgeld.

Was, wenn ich die Reise nicht bezahlen kann

Arbeitslose Eltern haben nach einem Urteil des Bundessozialgerichtes (B 14 AS 36/07 R) Anspruch darauf, dass Ämter die kompletten Kosten für die Klassenreise übernehmen. Höchstgrenzen gibt es nicht. Allerdings sollte man es nicht übertreiben:  Ein 14-jähriger Schüler aus Berlin, der vom Jobcenter 540 Euro für die achttägige Klassenfahrt nach Südtirol (eine Skireise) erhalten hatte, forderte zudem die Kostenübernahme für die Neuanschaffung eines Skianzugs, zweimal Skiunterwäsche, Skihandschuhe, Skihelm und Skibrille. Die Richter des Sozialgerichts Berlin winkten ab: Sie empfahlen, sich die Ausrüstung bei Ebay zu ersteigern (S 191 AS 115/15 ER). Wichtig zu wissen ist aber: Für die Kosten einer Klassenreise gibt es keine gesetzlichen Obergrenzen.

Wer bestimmt das Reiseziel?

Das wird vom Lehrer vorgeschlagen. Eine Genehmigung ist lediglich durch den Schulleiter nötig. Eltern haben auf dem Elternabend jedoch die Möglichkeit, gegen das geplante Ziel zu intervenieren.

Kann der Lehrer Handys verbieten?

Ja, kann er (siehe dazu unser Video „Was darf der Lehrer mit Eurem Handy machen?“). Und wer sich nicht daran hält, muss es abgeben – er bekommt es erst nach der Rückreise wieder ausgehändigt. Eltern sollten deshalb schon bei der Vorbesprechung zur Reise mit dem Lehrer diese Thematik ansprechen und am besten gemeinsam vereinbaren, dass Handys nur zu bestimmten Zeiten, z. B. für eine Stunde nach dem gemeinsamen Abendessen, benutzt werden dürfen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

BSG: B 14 AS 36/07 R

SG Berlin: S 191 AS 115/15 ER

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