Mordprozess ohne Leiche: Lebenslange Haft für Ehemann

Sonntag, 11.01.2015 BJ

Es war ein Indizienprozess wie aus dem Bilderbuch: Weder gab es handfeste Beweise, noch eine Leiche. Trotzdem wurde ein 51-jähriger Mann zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt…

Fest stand nur, dass sich die Eheleute im April 2007 gestritten hatten und die Frau, eine Philippinin, daraufhin aus der gemeinsamen Wohnung mit ihrem Sohn auszogen war. Kurz darauf verschwand sie spurlos und tauchte nie wieder auf. Doch obwohl nie eine Leiche gefunden worden war, klagte die Staatsanwaltschaft den Ehemann, dessen Schwester sowie deren Ehemann wegen Mordes an.

Im Zweifel für die Angeklagten? Von wegen…

Ohne Leiche und trotz mehr als zweifelhafter Beweislage erklärte das Landgericht Köln darauf alle drei Angeklagten zu Mördern und verhängte lebenslange Freiheitsstrafen. Nur wegen eines Verfahrensfehlers hob der Bundesgerichtshof in Karlsruhe dieses Urteil allerdings auf und es musste nochmals verhandelt werden: Im folgenden Verfahren wurde die Schwester und deren Ehemann mangels Beweisen freigesprochen, der Ehemann aber wurde erneut wegen Mordes verurteilt.

Märchenstunde beim Onkel Richter

In der Begründung hieß es, der Mann habe „den Mord aus Angst begangen, weil er befürchtete, dass seine Frau den gemeinsamen Sohn nach der Trennung in ihre Heimat bringen könnte“. 

Der Rechtsanwalt des Ehemannes zeigte sich diesbezüglich sprachlos: Dass man in Deutschland mit so wenigen Indizien wegen Mordes verurteilt werden könne, sei für ihn ein „Horrorerlebnis“ gewesen. 

Die dagegen gerichtete Revision blieb ohne Erfolg. Das Urteil ist nun rechtskräftig.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesgerichtshof Karlsruhe Urteil vom 30. Dezember 2014 – 2 StR 439/13 

§§ 211, 212 StGB

Ungemachtes Bett

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