Statt erfrischt, fast erstickt: Schmerzensgeld für Flugpassagierin

Mittwoch, 01.10.2014 BJ

In vielen Flugzeugen werden Erfrischungstücher angeboten - eigentlich nett und wohltuend. Doch gerade ein solches Tuch wurde einer Passagierin während ihrer Flugreise von Indien nach Deutschland zum Verhängnis!

Schon zu Beginn des Fluges informierte die Frau eine der Flugbegleiterinnnen, dass sie unter einer starker Allergie leide. Deshalb bat sie, keine Tücher an die Fluggäste zu verteilen.

Die frische Brise Parfüm…

Die Crew ignorierten aber die Bitte und verteilte wie gewohnt ganz ungeniert sämtliche Tücher. Doch im Gegensatz zu den anderen Passagieren blieb für die sensible Dame die Erfrischung aus: Sie erlitt durch die parfümierten Dämpfe eine schwere allergische Reaktion und bekam keine Luft mehr. Unmittelbar nach der Landung kam ein Notarzt an Bord, der sie umgehend behandelte.

Schicksal oder Körperverletzung?

Nach ihrer Genesung reichte die Frau eine Schmerzensgeldklage gegen die Fluggesellschaft ein. Schließlich habe sich durch die allergische Reaktion eine „dem Luftverkehr eigentümliche Gefahr verwirklicht, welche nach dem Montrealer Übereinkommen einen Ausgleichsanspruch in Form von Geld rechtfertige“

Bitte weitersagen!

Das sah das Oberlandesgericht in zweiter Instanz genauso: Das Personal hätte die Information ernst nehmen und an die bedienenden Kollegen weitergeben müssen, und die Tücher hätten nicht in Anwesenheit der Frau verteilt werden dürfen. Der Passagierin wurden deshalb 1.500 € Schmerzensgeld zugesprochen.

Hätte Sie mal besser „Halt“ gerufen.

Die Frau hätte sogar noch 500 € mehr bekommen, wenn sie mit mehr Nachdruck auf sich aufmerksam gemacht hätte. Schließlich hätte sie auch schreien können, als sie merkte, dass die Tücher letztendlich doch verteilt wurden…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Frankfurt Urt. v. 16.04.2014, Az. 16 U 170/13

§ 823 BGB; Montrealer Übereinkommen

Flugzeug am Terminal

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