Mit 17 Messerstichen getötet - Freispruch!

Freitag, 12.02.2016 DOD

Im Zweifel für den Angeklagten. Mit dieser Begründung sind nun zwei Männer, Vater und Sohn, freigesprochen worden. Zuvor hatten sie ihre beiden Vermieter mit Messer und Pistole getötet…

Die Geschichte dazu: Vater und Sohn hatten eine Pferderanch gemietet. Mit dem Besitzerehepaar gab es immer wieder großen Ärger wegen der Mietschulden, doch eines Tages eskalierte der Streit komplett: Der 30-jährige Sohn erzählte später vor Gericht, es sei von dem Vermieter plötzlich mit dem Messer angegriffen worden. Deshalb hätte er sich wehren müssen und den 57-Jährigen mit 17(!) Messerstichen getötet. Gleichzeitig hätte die Vermieterin seinen Vater mit einem Beil angegriffen, weswegen der 61-Jährige die Frau aus zwei Metern Entfernung erschoß.

Die Leichen landen unterm Misthaufen

Darauf vergruben sie die beiden Leichen unter dem Misthaufen des Pferdehofs. Auch das hätten sie nur getan, weil sie befürchtet hätten, dass ihnen niemand den tödlichen Tathergang glauben würde. 

Notwehr und deswegen Freispruch

Das Gericht ging bei beiden Taten von Notwehr aus sprach Vater und Sohn frei. „Im Zweifel muss sich das Gericht für die Angeklagten entscheiden“, versuchte der Richter zu erklären, denn „da es keine Zeugen gebe, könne den Angeklagten nichts bewiesen werden. Machen sie Notwehr geltend, muss ihnen das Gegenteil bewiesen werden…“ Und genau das konnte das Gericht nicht: „Es gab keine unmittelbaren Tatzeugen außer den beiden Toten“, so der Richter. „und es ist ausgeschlossen, jemanden aufgrund bloßer Spekulationen zu verurteilen.“

Tumulte im Gerichtssaal

Im Saal gab es nach dem Urteilsspruch Tumulte. Vor allem die Angehörigen des Vermieter-Ehepaares konnten es kaum fassen. Wachtmeister mussten schließlich sogar eingreifen, um für Ruhe zu sorgen.

Der Staatsanwaltschaft geht in Revision

Der Haftbefehl gegen die beiden Angeklagten wurde darauf aufgehoben, sie wurden frei gelassen. Die Staatsanwaltschaft, die zumindest den Vater lebenslang hinter Gitter bringen wollte, kündigte allerdings Revision gegen das Urteil an. Nun wird sich der Bundesgerichtshof (BGH) mit dem Fall befassen müssen. Bis dahin bleiben Vater und Sohn auf freiem Fuß.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Hanau, Urteil am 5. August 2015

Misthaufen mit Gabel

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