Mietmangel: Wenn Wildschweine so richtig die Sau rauslassen

Montag, 21.03.2016 PK

Jeden Tag, kurz nach Sonnenuntergang, dieses bedrohliche Quieken und Grunzen. Und am Morgen darauf ein Garten, der aussieht, als hätte dort eine Pionier-Kompanie geübt, wie man Schützengräben anlegt: Folge einer Wildschwein-Invasion. Für die Bewohner von Parterre-Wohnungen ist das gefährlich. Denn die Borstenviecher machen selbst vor geschlossenen Terrassentüren nicht halt…

Man kann sie durchaus niedlich finden. Aber wenn die ungebetenen Gäste erst einmal in Rage geraten, ist mit ihnen nicht gut Kirschen essen. Sprich: Das ist saugefährlich. Deshalb haben Mieter Anspruch darauf, dass der Vermieter sie vor den zudringlichen Waldbewohnern schützt. Er ist also verpflichtet, das Grundstück entsprechend zu sichern. Erst recht, wenn das Areal in der Nähe eines Waldes liegt und daher jederzeit mit einem Schweineüberfall zu rechnen ist.

Vermieter so stur wie die Borstentiere

Das geht aus einer Entscheidung des Land​gerichts Berlin hervor: Bei einem Parterre-Mieter tauchten immer wieder Wildschweine auf, zum Teil mit Frischlingen, was bei den Muttertieren einen besonderen Schutzinstinkt, einhergehend mit gesteigerter Wehrhaftigkeit auslöste. Der Mieter spannte daraufhin stromführende Sicherheits​drähte, wie man sie auch bei Weidezäunen verwendet. Beeindruckt hat es die unheimlichen Besucher nicht. Also kürzte der Mann die Miete, um den Vermieter zu veranlassen, endlich den maroden Zaun zu reparieren. Aber auch der Vermieter ließ sich nicht beeindrucken.

Mieter haben einen Schutz-Anspruch

Blieb am Ende nur noch die Klage. In erster Instanz verneinten die Richter des Amts​gerichts Wedding auch tatsächlich, dass es sich hier um einen Mietmangel handelte. Doch das Landgericht Berlin sah den Fall anders: „Der Vermieter ist verpflichtet, seine Mieter zu schützen. Er hat demzufolge den Zaun instand zu setzen. Es kommt dabei nicht darauf an, ob bereits jemand durch die Tiere verletzt wurde – die Befürchtung allein reicht…“ 

Ein Fünftel Abzug für kaputten Zaun

Der Mieter bekam am Ende also doch noch Recht und durfte für die Zeit, in der ihm der Zaun keinen Schutz bot, die Miete mindern. Die Richter legten dabei eine Minderungsquote zwischen 10 und 20 Prozent, gerechnet auf die Bruttomiete, als angemessen fest.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Berlin, Urteil vom 21.12.2015 – 67 S 65/14

Wildschwein

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