Reichen vier Finger?

Mittwoch, 06.01.2016 MLK

Nur 4 Finger an einer Hand? Das reicht doch, sagt die Krankenkasse. Denn die wesentlichen Körperfunktionen werden dadurch nicht beeinträchtigt...

Der Fall: Eine Frau, der das letzte Glied des rechten Zeigefingers fehlt, beantragte bei ihrer Krankenkasse eine Silikonprothese, die dieses fehlende Glied ersetzen sollte. Kosten: 3.513,77 Euro. Die Kasse lehnte ab, und die Frau klagte.

Wozu zahlt man Krankenkassenbeiträge?!

Die Frau arbeitet als Servicekraft an einem Flughafenschalter. Das war auch der Grund für ihren Wunsch nach einer Prothese: Sie sei dort ständig den Blicken fremder Leute ausgeliefert, die auf die verkrüppelte Hand starren würden. Auch wäre die Prothese rein funktionell ein enormer Vorteil beim Bedienen des PCs am Schalter, da das Greifen ohne Silikonprothese ihr Schmerzen bereiten würde.

Reine Schönheits-OP?

Die Kasse behauptete jedoch, dass es sich dabei um eine reine Schönheits-OP handeln würde, die ein Patient selbst bezahlen muss. Die wesentlichen Körperfunktionen seien nicht beeinträchtigt, eine Kostenzusage deshalb nicht verpflichtend. Gegen die Schmerzen könnte auch eine Schutzkappe oder ein Verband helfen.

Auch eine Klage bringt nichts...

Und das Bundessozialgericht sah die Sache genau so: Das fehlende Endglied hätte „keine entstellende Wirkung. Der zu kurze Finger sei weder eine Behinderung noch eine Krankheit, die ästhetische Unregelmäßigkeit hätte keinen Krankheitswert“. Fazit: Die Frau muss die Prothese selber zahlen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundessozialgericht Urt. v. 30.9.2015, B 3 KR 14/14 R 

Abgetrennter, weiblicher Finger

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