Ohne Masern-Impfung Schulverbot

Montag, 16.03.2015 PK

Als im Oktober 2014 die ersten Masernfälle in Berlin auftauchten, ahnte noch niemand, dass dies der Beginn der größten Erkrankungswelle seit 2001 werden würde. Um die nun einzudämmen, sind drastische Anordnungen der Behörden nötig…

…zum Beispiel ein vorübergehendes Schulverbot für Schüler, die nicht gegen Masern geimpft sind und diese Krankheit auch noch nicht hatten. Eigentlich eine vernünftige Regel. Doch dass dies auch zu seinem eigenen Schutz geschah, wollte ein Berliner Schüler nicht einsehen. Er und die Eltern einer Realschülerin klagten deswegen gegen diese Anordnung und das Schulverbot.

Eine zulässige Schutzmaßnahme

Doch „die Gesundheitsämter, die das Verbot aussprachen, sind im Recht“, wie jetzt das Berliner Verwaltungsgericht entschied. „Das Verbot, eine Schule zu betreten, sei als Schutzmaßnahme zu werten. Behörden dürften sie zur Verhinderung übertragbarer Krankheiten wie Masern ergreifen“.

Täglich 20 neue Fälle

Inzwischen sind seit voriger Woche in der Hauptstadt 797 Masernfälle erfasst – und die Welle rollt weiter: Das Landesamt für Gesundheit und Soziales registriert täglich 20(!) neue Fälle. Eine Zwangs-Impfung ist jedoch politisch nicht gewollt – und freiwillig lassen sich offenbar zu wenige gegen die hochansteckende Krankheit impfen.

Ohne Impfbuch fällt die Schule aus

Vor diesem Hintergrund erscheint das Schulverbots-Urteil durchaus angemessen. Denn von den beiden betroffenen Schülern könnte ein hohes Infektionsrisiko für andere ausgehen. Zudem ist diese Entscheidung immer noch besser, als alle Schulen gleich ganz zu schließen. Das war nämlich in den letzten Wochen bei zwei Schulen der Fall. Hinein durften nur die Schüler, die ihre Impfbücher mitgebracht hatten. Wer keinen Nachweis hatte, wurde wieder nach Hause geschickt.

Manche denken eben nicht nach 

Jeder soll und darf natürlich selber entscheiden, ob er einer Impfung zustimmt oder nicht. Dennoch finden wir es ziemlich egoistisch, gegen jede Behördenmaßnahme anzugehen, die einem nicht behagt, weil man - wie hier - ein paar Stunden Unterrichtsausfall hinnehmen muss. Im Februar erst ist nämlich ein Kind an Masern gestorben. Und wenn die Krankheit nicht schnell eingedämmt wird, droht dieses Schicksal womöglich weiteren Kindern.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Verwaltungsgericht Berlin: VG 14 L 35.15 und VG L 36.15

Kind mit Masern

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