Keine Brechtüte im Auto: Taxifahrer gibt Vollgas

Montag, 06.10.2014 BJ

Ein Glas in Ehren, kann niemand verwehren…und auf dem Oktoberfest dürfen es auch ruhig ein paar Gläser mehr sein, dachte sich ein feierlustiger Mann. Doch es wurden noch mehr Gläser, und er entschied sich für eine Heimfahrt mit dem Taxi. Und es kam, wie es kommen musste: Der Kopf summte, der Magen brummte. Noch im Taxi wurde dem Mann übel.

Eigentlich kein Problem, schließlich ist es Alltag für Taxifahrer während großer Veranstaltungen: Mal eben rechts ranfahren, übergeben und weiter geht’s! Doch wie löst man dieses Problem, wenn die Taxifahrt gerade in rasanter Fahrt über eine Bundesautobahn führt? Da kommt sogar der entspannteste Taxifahrer ins Straucheln. 

Lieber rasen als putzen

„Auf keinen Fall ins Auto“…, dachte sich der Taxifahrer und gab so richtig Gas. Und auch hier kam es, wie es kommen musste: Mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung von über 64 Stundenkilometern wurde der Mann mit seinem unliebsamen Fahrgast geblitzt. 

Lieber putzen als zahlen

440 € Bußgeld und zwei Monate Fahrverbot waren die Folge für den Verkehrsverstoß des Taxifahrers. Für den Berufsfahrer eine bittere Pille, er legte Rechtsmittel ein, und das Amtsgericht München sprach ihn in erster Instanz tatsächlich frei. Der Taxifahrer habe sich schließlich in einem Notstand befunden. 

Das Taxi als „Quasi-Flugzeug“

Das sah das Oberlandesgericht Bamberg als Revisionsgericht anders, und es zog interessante Vergleiche: „Jeder weiß, dass in Flugzeugen stets Brechtüten angeboten werden. Es ist deshalb nicht ersichtlich, weshalb solche nicht auch in Taxen vorhanden sein sollten. Im Übrigen konnte der Taxifahrer doch gar nicht sicher wissen, ob er durch die Geschwindigkeitsüberschreitung die bevorstehende Verunreinigung im Auto überhaupt hätte verhindern können.“ 

Bleibt nur zu hoffen, dass der Taxifahrer in jener Nacht ein lohnendes Trinkgeld bekommen hat.

Textbezogene Paragraphen / Urteile: 

§ 16 OWiG, § 25 II a 1 StVG 

Oberlandesgericht Bamberg, Beschl. v. 04.09.2013, Az. 3 Ss OWi 1130/13

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